Marathon im Land der Gewürze

Im Basler Restaurant «Marathon» wird mit den Händen gegessen – und mit Hilfe von Injera, einem Sauerteigfladenbrot, mit dem man sein Häppchen aufnimmt.

Das Restaurant Marathon am Voltaplatz ist wie eine Reise.

Das Restaurant Marathon am Voltaplatz ist wie eine Reise.

(Bild: Elena Monti)

Es gibt nur ein kleines Problem, und das Problem daran ist, dass man nicht weiss, ob es gross oder klein ist. Es sind die Hungerbilder vom Horn von Afrika, sind die zwölf Millionen Menschen dort, die permanent vor dem Hunger auf der Flucht sind. Und dann ist es doch ganz schnell kein Problem mehr, weil Afrika nicht nur der Kontinent des Hungers, sondern auch der des Lächelns ist. Willkommen im «Marathon», dem einzigen äthiopischen Restaurant Basels. Acht schnörkellose Tische, ein Tresen, wüstensandfarbige Wände, zwei Fotos des äthiopischen Wunderläufers und Beinaheheiligen Haile Gebreselassie, ein Flachbildfernseher, auf dem Eurosport läuft.

Die Gäste eine Mischung aus Äthiopiern, ein paar Elsässern, die auf Äthiopierinnen stehen, was nicht verwundert, denn Äthiopierinnen sind in der Regel von graziler Schönheit. Und sie haben dieses zauberhafte Lächeln, das einen gefangen nimmt und vergessen lässt. Dass die Servicefeen nur französisch sprechen etwa, dass ein halber Liter Primitivo in einer Karaffe von zwei und einer von drei Dezilitern kommt, weil gerade keine 0,5-Liter-Karaffen da sind.

Fondue auf afrikanisch

Das Marathon-Menü bestellt, ab zwei Personen, 62 Franken. Der Chef serviert persönlich. Er nennt es «unser Fondue», weil alle alles von einer grossen runden Platte essen. Alles heisst: Misir und Siga Wott (vegetarische und Fleischsaucen), Key Wott (geschnetzeltes Rindfleisch), Kifto (äthiopisches Tatar), Fit Fit Yebeg (Lamm an Pfeffersauce). Und Doro Wott, eine Sauce aus Huhn und Ei, die im Grunde nur bei Hochzeiten, Feiertagen oder besonderen Gästen gereicht wird.

Gegessen wird mit den Händen und mit Hilfe von Injera, einem Sauerteigfladenbrot, mit dem man sein Häppchen aufnimmt. Und dann ist es, als ob der Gaumen lacht. Wirklich. Und dass das «äthiopische Tatar» im Grunde halbgebratenes Hackfleisch ist, spielt dann auch keine Rolle mehr. Man ist zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon satt. «Ihr seid bei Kilometer 38», sagt der Chef. Und wenn es irgendwie noch ginge, man würde weiterrennen im «Marathon», durch dieses fremde, kräftig gewürzte Land am Rande des Voltaplatzes.

Basler Zeitung

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