Kalbsbraten – mit Blick auf die Alpen

Seit 25 Jahren wirtet Markus Studer auf der Blüemlismatt.

Markus Studer kann auf der Blüemlismatt auch seinem Hobby frönen: dem Gärtnern. Fotos: Kostas Maros

Markus Studer kann auf der Blüemlismatt auch seinem Hobby frönen: dem Gärtnern. Fotos: Kostas Maros

Wer in Egerkingen nach der Belchenrampe die Autobahn verlässt und bis zum Dorfkern fährt, wird bald rechterhand auf den Wegweiser Blüemlismatt stossen. Von hier aus steigt die Strasse kräftig an. Der Verkehrslärm und die letzten Häuser verschwinden rasch, und der Weg führt durch den Wald und streckenweise über eine Schotterstrasse – hinauf auf 814 Meter über Meer.

Da, auf einer grossen Lichtung, steht die Blüemlismatt. Wer zum ersten Mal den Weg hierherfindet, könnte meinen, es handle sich um eine Gartenanlage. Dann aber schweift der Blick Richtung Süden. Schönes Wetter vorausgesetzt, liegt die ganze Alpenkette in voller Pracht vor uns. Wunderbar, dieser Blick.

Opfer des Feuerteufels

Dieser Weitblick muss es gewesen sein, der schon vor Jahrhunderten fasziniert hat. Das Haus auf der Blüemlismatt jedenfalls ist auf Plänen aus dem frühen 18. Jahrhundert eingetragen. Ob es schon ebenso lange möglich ist, hier etwas gegen Durst und Hunger zu tun, ist nicht bekannt.

Gesichert ist hingegen, dass die Liegenschaft Blüemlismatt dreimal ein Opfer des Feuer­teufels wurde: 1865 ein erstes Mal, dann im Jänner 1911 erneut (wobei ein 18-jähriger Hüterbub in den Flammen umkam). Und letztmals am 10. Oktober 1983. Die Brandstätte wurde als Wohnhaus mit Scheune wieder erbaut. Aber die Wirtschaft erhielt ein paar Meter weiter östlich einen eigenen Bau.

Hier, in diesem im November 1984 eingeweihten Gebäude, ist Markus Studer (52) seit 25 Jahren der Gastgeber. Zuvor war er als gelernter Koch und Kellner ­einige Zeit auf Wanderschaft. Dann führte ihn sein Weg zurück in die Heimat. Studer: «Ja, ich bin ein Solothurner.»

Ihm gefällt, dass er auf der Blüemlismatt tun und lassen kann, wie ihm beliebt. So ist er nicht nur mit Leib und Seele Gastgeber, sondern auch Gärtner und Gartengestalter – was beim Vertreten der Beine draussen unschwer festzustellen ist. Da ist einer am Werk, der gestaltete Gärten und eine gepflegte Umgebung über alles liebt. «Es ist mein grosses Hobby», gibt er zu.

Der Koch kocht nicht mehr

Der Hof selber läuft, wenn man so will, auf Sparflamme. Nach Angaben von Markus Studer ­beherbergt er nur noch einige Sömmerungsrinder. Immerhin gehören noch sechs neugierige Esel und ein paar Hunde zum Tierreich und damit zum Wirkungsfeld des Hausherrn.

Kommt Studer angesichts der Arbeiten auf dem Hof, im Garten, bei den Tieren sowie der gelegentlichen Ausstellungen überhaupt noch zum Kochen? Er ­koche nicht mehr, sagt er bestimmt, «höchstens noch, wenn es meine Hilfe braucht». Denn zum Blüemlismatt-Team gehören neben ihm drei Köche, drei Küchengehilfen, vier Mitarbeitende im Service sowie eine «gute Putzfee».

Der Grundsatz, nach dem ­Studer und sein Team einkaufen, kochen und bewirten, ist rasch erklärt. Markus Studer fasst zusammen: «Einfach alles frisch.» Eingekauft wird in der Prodega in Neuendorf. Das Brot und die Süssigkeiten werden vom Team selber gebacken beziehungs­weise hergestellt.

Die Gäste kämen von überall her, berichtet Studer. Und: «Das Autobahnkreuz ist halt gäbig für uns.» Wanderer, Durchreisende, Gesellschaften – alle müssten hier vorbei. Apropos: Die Blüemlismatt liegt direkt am Europäischen Fernwanderweg. Markus Studer freut es besonders, dass auch Leute und Vereine aus dem Dorf zu ihm hinaufkommen.

Saisonale Kost

Bei unserem Besuch lassen wir uns das Tagesmenü bringen: ­Zunächst kommt ein frischer Blattsalat mit Melone, Ei, Tomätli, Peperoni und Radiesli auf den Tisch. Zum Hauptgang Kalbs­braten mit Spargeln, Eierschwämmli und Nüdeli. Wunderbar. Im Frühjahr gebe es oft ­Spargeln, im Sommer eher Kost vom Grill. Und im Herbst setze man auf Wild Schweizer Herkunft.

Eindrücklich präsentiert sich die Weinkarte: Da findet man ­alles, von einheimischen Weinen über europäische bis hin zu Überseeprovenienzen.

Markus Studer kennt auch nach 26 Jahren Blüemlismatt ­keine Verschleisserscheinungen. «Es gefällt mir hier – und ich arbeite gerne.»

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