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Ich liebe Glarner Zigerhöreli – bin ich jetzt ein linker Ideologe?

Niemand soll uns verbieten, ein Steak auf den Grill zu knallen oder einen Braten in den Ofen zu schieben. Jedoch kann man, ohne auf etwas zu verzichten, der Verschwendung von Lebensmitteln entgegentreten.

Aus Hörnliresten kann man hervorragend Glarner Zigerhöreli zubereiten.
Aus Hörnliresten kann man hervorragend Glarner Zigerhöreli zubereiten.
Keystone

Am Freitag gab es Raclette zum Znacht, am Sonntag dann Härdöpfel­stock; wir hatten am Freitag zu viele Kartoffeln gekocht. Muss Sie das interessieren? Nein, interessieren aber könnte Sie die Ergebnisse einer Studie, die der Bund Ende letzter Woche veröffentlicht hat: In den Schweizer Haushalten wandern jährlich eine Million Tonnen Lebensmittel in den Müll. 1000000000 Kilo Härdöpfel, Rüebli, Würstli, Plätzli, Salat ...

Glaubt man einem Beitrag des Westdeutschen Rundfunks, wird weltweit ein Drittel aller Lebensmittel weggeschmissen.

Wird dann noch dazugerechnet, was in der Landwirtschaft, in Restaurants und Hotels, in den Läden und in der Lebensmittelproduktion so alles weggeschmissen wird, sind es 2,8 Millionen Tonnen an Essen, dasin der Schweiz jedes Jahr in der ­Mülltonne landet. Glaubt man einem Beitrag des Westdeutschen Rundfunks, wird weltweit ein Drittel aller Lebensmittel weggeschmissen. Der Sender hat ausgerechnet: Damit könnte man sogar 12 Milliarden Menschen ernähren, liessen sich 3,3 Milliarden Tonnen CO2 und 250 Kubik­kilometer Wasser einsparen (viermal so viel, wie die USA verbrauchen), könnte man auf einer Fläche fast so gross wie Russland wieder Bäume pflanzen. Weniger Rinder und Schweine müssten zur Schlachtbank trotten.

Angesichts solcher Zahlen wirkt das Lamento nur peinlich, das nach dem Wahlsieg der Grünen eingesetzt hat: Sie wollen uns alles verbieten, alles wegnehmen, unser ganzer Wohlstand geht den Bach runter, eine grün-sozialistische Gutmenschendiktatur droht.

Bullshit.

Ich bin doch kein linker Ideologe, wenn ich aus den übrig gebliebenen Raclette-Härdöpfeln zwei Tage später Häbistock mache.

Niemand will und soll uns verbieten, einen Schweinsbraten in den Ofenzu schieben oder ein Ryb Eye auf den Grill zu knallen, mal nach New York oder Marrakesch zu fliegen oder Freude an einem schönen Auto zu haben – und es auch zu fahren. Bleiben wir aber beim Essen: Um dieser gewaltigen – und beschämenden – Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzutreten, müssen wir uns kein bisschen einschränken, müssen auf nichts verzichten. Wir verhindern nur, dereinst im Überfluss zu ersaufen – und können völlig ideologiefrei den CO2 etwas verringern.

Ich bin doch kein linker Ideologe, wenn ich aus den übrig gebliebenen Raclette-Härdöpfeln zwei Tage später Häbistock mache, statt sie wegzuschmeissen, wenn ich aus Reisresten ein asiatisches Fried Rice koche (die Asiaten nehmen eh nur gekochten Reis vom Vortag). Ich bin doch nicht lustfeindlich, wenn ich eingestehe, dass ich nichts so liebe wie in Butter gebratene Pastaresten – besonders lecker Tomatenspaghetti mit einem Spiegelei drauf.

Mit Glarner Zigerhöreli essen Sie ideologiefrei vegetarisch und reduzieren lustvoll den CO2.

Ich bin kein linksgrüner Ideologe, wenn ich «From nose till tail» toll finde – den neuen Trend in der Spitzengastronomie; heisst, dass wieder möglichst alle Stücke der Tiere verwertet werden: Kutteln, Kalbskopf, Rindsbäckchen, Suppenfleisch, Suppenhühner, nicht nur Filet und Entrecote. Ein baskischer Metzger schlachtet sogar 18 Jahre alte Milchkühe und verkauft «vaca veja» fast ausschliesslich an die Spitzengastronomie – ­verwerten, nicht wegschmeissen.

Mein Tipp für Hörnliresten: Mit Glarner Zigerhöreli essen Sie ideologiefrei vegetarisch, reduzieren lustvoll den CO2 und unterstützen erst noch eine traditionsreiche Schweizer Firma. Am andern Tag darfs dann wieder ein Kotelett sein.

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