Diese Mutprobe lohnt sich

Das Edelkaufhaus Grieder und das Restaurant «I Favoriti» teilen sich denselben Eingang. Das Shop-in-Shop-Modell ist in Basel zwar noch etwas ungewöhnlich, das Essen aber sehr lecker und ein Besuch empfehlenswert.

Das I Favoriti liegt innerhalb der Boutique Grieder.

Das I Favoriti liegt innerhalb der Boutique Grieder.

(Bild: Lisa Groelly)

Vor dem Edelkaufhaus Grieder zwischen Marktplatz und Mittlerer Brücke steht seit April eine Menütafel. Das Angebot ist typisch italienisch: Penne alla Norma, Tagliolini al Pomodoro, Lasagna Emiliana – und für die Durstigen gibt es den Campari-Cocktail Negroni.

Der Blick hinter das Schild macht aber stutzig: Wo bitte ist hier eine Beiz? Es braucht schon etwas Mut, sich in den schicken Laden zu begeben, wo man dann vor der Tür zum Lift aufgeklärt wird: Das I Favoriti befindet sich im dritten Stock. Es ist ein Restaurant im Laden, ein Shop-in-Shop-Modell. Aber mit der Grieder-Boutique hat es bis auf die gemeinsame Eingangsschleuse nichts zu tun. Es ist ein unabhängiges Geschäft.

Dennoch gibt es Einschränkungen: Wenn der Laden schliesst, bedeutet das auch für das Restaurant Feierabend. Und wollen die Wirte, die beiden Brüder Scarpellino aus Basel, ein Dinner organisieren, müssen sie dafür einen Security-Mann einstellen. Das hält sie aber nicht davon ab, in nächster Zukunft testweise einen solchen Abend zu organisieren. Die Nachfrage sei jedenfalls vorhanden, es hätten sich schon einige danach erkundigt.

Man ist sich bewusst, dass die Situation im I Favoriti speziell ist und der Tritt in die Boutique eine gewisse Hemmschwelle darstellt. In Basel ist dieses Konzept unüblich. Aber in Zürich und Genf sei das normal. Das alles erfahren wir an einem Mittagessen, als wir «undercover» einen der Wirte-Brüder ausfragen. Man merkt, dass das Restaurant neu ist: Die Bedienung will wissen, wie wir von der Beiz erfahren haben. Und man hoffe, dass wir wieder kommen würden. Der Service ist ausgesprochen zuvorkommend. Manchmal vielleicht etwas zu freundlich: «Wenn Sie möchten, können wir den Ricotta natürlich auch weg­lassen.» – «Möchten Sie den Espresso jetzt oder später oder gleichzeitig mit dem Dessert?» Doch das ist anfängliche Nervosität. Das wird sich legen.

Wir entscheiden uns zum einen für das Wochenmenü Penne alla Norma: Teigwaren an einer Tomatensauce, darauf zwei Scheiben Aubergine mit einem erfrischenden Ricottakrönchen. Leicht und lecker. Zusammen mit dem Menüsalat kostet das 23 Franken. Ein Tipp für das Getränk: La Nostra Aranciata, die italienische Variante des Orangina (6 Franken). Ausserdem bestellen wir die Tagliatelle bolognese von der Karte. Die hausgemachte Lasagne ist nämlich alle und wird erst tags darauf wieder frisch zubereitet. Gut investiert sind auch die 5.50 Franken für das Dessert: Tiralogiù. Ein Mascarpone-Rahm-Mix auf einem Schokoladenbiskuit, obendrauf nochmals ein dünn geschnittenes Stück Schokolade.

Als Liebhaber italienischer Klassiker hoffen wir, dass sich das spezielle Konzept auch in dieser Stadt durchsetzen wird. Wir glauben daran, denn das Angebot ist ungleich besser als in einem gewöhnlichen Kaufhausrestaurant. Es lohnt sich, in den Grieder zu gehen. Auch ohne zu shoppen.

Ristorante I Favoriti, Eisengasse 14, Basel; Tel. 061 260 27 21; Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 9.30–17 Uhr; info@ifavoriti.ch; www.ifavoriti.ch

Basler Zeitung

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