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Auf dem Bruderholz gibt es jetzt Kulinarisches mit Kunst

Ja, das Bruderholz ist ein Bonzenhügel und weit weg. Aber es lohnt sich trotzdem, hochzustrampeln.

Die Verbindung von Kunst und Kulinarik als Ziel.
Die Verbindung von Kunst und Kulinarik als Ziel.
Kostas Maros

Eigentlich möchte die Frau motzen. Der naturtrübe Weisse schmeckt ihr nicht. Aber: «Als Ausländerin darf man sich nicht beklagen.» Ihr Begleiter ist Basler und ohne Hemmungen. Er geht an die Bar und kommt mit einem neuen Glas zurück. Der Pinot Blanc darin ist weniger trüb und weniger teuer. Die Französin ist zufrieden.

Wir auch. An diesem Ort kann man nicht anders. Es ist Freitagabend. Wir sitzen draussen vor dem «Filter4» an der Reservoirstrasse. Unter Buchen steht hier die alte Filteranlage aus dem Jahr 1903, ein wahres Bijou. 2006 wurde sie stillgelegt, seither gibts Kulturelles. Und diese Woche auch Kulinarisches. Auf dem Vorplatz haben Köche Grillschalen aufgestellt.

Eine Chance, um kreativ zu werden

Morgens um 11 Uhr spannen sie die Lämmer auf – Asado-Style. Sie brutzeln den ganzen Tag, bis sie am Abend als Hauptgang eines viergängigen Menüs auf den Tellern landen. Die Lämmer kommen aus dem Jura, die Köche aus Paris. Sie heissen Thibaut Marlin und Cle?ment Guernalec, Ersterer kocht im Carbo?n, Letzterer war im Septime.

Das sind grosse Adressen, aber wenn man da nicht die Chef-Mütze aufhat, heisst das: schuften, schuften. Kreativität: null. Das findet Luca Pronzato schade. Er hat das Pop-up-Restaurant im «Filter4» organisiert und sagt: «Nachwuchsköche führen nur aus, was der Chef will.» Pronzato arbeitete selbst im Service im Noma in Kopenhagen. Nun hat er die Firma ONA gegründet und eröffnet in verschiedenen europäischen Städten Pop-up-Restaurants. Er organisiert Location und Gäste, seine Köche alles, was mit dem Essen zu tun hat: Menüs kreieren, Zutaten auswählen, Warenkosten ausrechnen. Der Lohn aller hängt vom Gewinn ab. «Ich will jungen Leuten die Chance geben, kreativ zu werden», sagt Pronzato. Wobei: Marlin ist im Carbo?n mittlerweile selbst zum Chef aufgestiegen.

Auch ein Ort zum Feiern

Vielleicht ist das Paar, das am Nebentisch sitzt und aussieht wie bestellt und nicht abgeholt, seinetwegen hier. Die beiden haben wohl nicht erwartet, dass hier alle in Sneakers und Jeans rumlaufen. Sie stellen ein bisschen Kleid und Lederschühchen zur Schau, dann verschwinden sie, irgendwo gibt es bestimmt mehr Etepetete.

Wir betreten die kühlen Hallen des «Filter4». Hoppla, das ist ja Sand am Boden! Das Wasser sickerte früher durch und wurde so gereinigt, bevor es weiter in die Haushalte floss. An den Säulen zeigen dunkle Linien noch den damaligen Wasserstand an. Jetzt, 13 Jahre nach der Stilllegung, fliesst das Wasser wieder in einer der Hallen. Man hört es tröpfeln und sieht es durch den dunklen Raum wabern.

Bildende Kunst und Musik

«Wo kommt das Wasser her?», fragt die kleine Tochter ängstlich. Es kommt aus sechs Lasern. Der ungarisch-britische Künstler Bálint Bolygó hat sie aufgestellt, dazu eine Nebelmaschine. Das Licht der Laser bricht sich in den Nebeltröpfchen, es sieht aus, als stünde man knöcheltief im Nass. Bolygó hat die Installation eigens für den «Filter4» angefertigt. «Ich will das Wasser und diesen Raum feiern», erklärt er.

Wir feiern mit. Und zwar mit Musik. Zur Feier der Vernissage spielte am Freitag die Basler Band We Invented Paris im ­Nebel. Zwar nur für ein kleines Grüppli von Zuschauern, aber die fandens schön. Sogar die grosse Tochter. Zugegeben, wir mussten sie mit einem gemieteten Elektro-­Trotti bestechen, sonst ­hätten wir sie hochtragen müssen. Aber jetzt will sie nicht mehr weg.

Die Kleine zieht sie zu einem weiteren Kunstwerk, «Azumi» von Marck, einem Zürcher. Die Videoskulptur zeigt eine nackte Frau unter einer Milch-Dusche. «Typisch, dass es eine junge Frau ist. Und typisch, dass sie dünn ist», kommentiert die Grosse ­trocken.

Pop-up: «Basel on Fire». Bis 15.6 lassen sich noch Plätze reservieren unter: https://weareona.co/(Hinweis: 700 von 800 Plätzen sind bereits schon vergeben).

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