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Österreichische Paare fordern ein Recht auf künstliche Befruchtung

Der Gerichtshof für Menschenrechte beschäftigt sich mit der Frage, ob es ein Recht auf In-vitro-Fertilisation gibt. Zwei kinderlose Paare klagten gegen Österreich, wo die Behandlung verboten ist.

Stein des Anstosses: Die Leiterin des In-vitro-Fertilisations-Labors der Frauenklinik in Bern zeigt eine Paillette mit befruchteten Eizellen.
Stein des Anstosses: Die Leiterin des In-vitro-Fertilisations-Labors der Frauenklinik in Bern zeigt eine Paillette mit befruchteten Eizellen.
Keystone

Die 17 Richter der Grossen Kammer des Strassburger Gerichts prüften am Mittwoch die Beschwerden zweier unfruchtbarer Paare gegen Österreich, wo künstliche Befruchtung mit gespendeten Spermien oder Eizellen durch ein Gesetz von 1992 verboten sind. Die Kläger werfen Wien einen Verstoss gegen das Grundrecht auf Schutz des Familienlebens vor. Ausserdem sehen sie sich diskriminiert. In Deutschland sind In-vitro-Befruchtungen mit gespendeten Eizellen ebenfalls untersagt, nicht aber solche mit Spendersamen.

Das österreichische Gesetz wäge sorgfältig zwischen privaten und öffentlichen Interessen ab, sagte die Rechtsvertreterin der Wiener Regierung, Brigitte Ohms. Dabei gehe es auch um den Schutz Dritter – etwa der Frauen, die Eizellen spendeten. Der Gesetzgeber müsse ausserdem das Wohl der betroffenen Kinder schützen. Sie hätten das Recht, über beide biologischen Eltern informiert zu werden. Diese «legitimen Ziele» rechtfertigten das Verbot künstlicher Befruchtungen mit gespendeten Samen oder Eizellen.

«Ein archaisches Verbot»

Der Anwalt der Kläger, Wilfried Weh, nannte das Verbot hingegen archaisch. Seit dessen Erlass im Jahre 1992 habe die Medizin enorme Fortschritte gemacht. Die Entnahme von Eizellen geschehe heute mit einem einfachen Einstich einer Nadel, die Spenderinnen könnten in der Regel bereits 15 Minuten später nach Hause gehen. Im übrigen gebe es «Tausende von Kindern», die nicht von beiden leiblichen Eltern aufgezogen würden.

In erster Instanz hatte eine kleine Kammer des Strassburger Gerichts im vergangenen April den Klägern Recht gegeben. Dagegen legte Österreich Rechtsmittel ein. Das Urteil der Grossen Kammer wird in einigen Monaten erwartet.

AFP/pbe

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