Geniessen light

Die Oxford Dictionaries haben das Wort des Jahres veröffentlicht. Es steht für die wachsende Beliebtheit von elektronischen Rauchwaren – und unseren Wunsch nach reuelosem Vergnügen.

«Vape» ist das «Word of the Year»: Ein E-Raucher (23. April 2014).

«Vape» ist das «Word of the Year»: Ein E-Raucher (23. April 2014).

(Bild: Keystone)

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Raucht man heute eine elektronische Zigarette, kann man neu sagen: Ich vape. Das ist praktisch und geht schnell. Das Wort «Vape» füllt laut der Jury der Oxford Dictionaries, die den Ausdruck zum «Word of the Year» erkoren haben, eine semantische Lücke: «Rauchen» würde als Bezeichnung zu kurz greifen, «Vaping» hingegen verweist darauf, dass man elektronische Rauchware konsumiert.

Diese – damit begründeten auch die Vertreter der Oxford Dictionaries ihre Wahl – erfreute sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit. Sie warf aber auch viele rechtliche Fragen auf: Wo darf man E-Zigaretten rauchen? Sollen für E-Zigaretten dieselben Verbote gelten wie für herkömmliche Tabakwaren? Sind sie schädlich?

In E-Zigaretten verbrennt, anders als bei Zigaretten, kein Tabak. Stattdessen erhitzt eine mit einem Akku betriebene Heizspirale eine aromatisierte Flüssigkeit. Das freigesetzte Aerosol atmet der «Vaper» ein. Langfristige Folgen sind noch nicht erforscht, E-Zigaretten enthalten aber krebserregende Stoffe, und bei nikotinhaltigen Flüssigkeiten besteht wie bei normalen Zigaretten die Gefahr einer Vergiftung, wie das Bundesamt für Gesundheit schreibt.

Flirten ohne Demütigung

Der Reiz der nikotinlosen E-Zigarette besteht vor allem darin, dass sie die gewöhnliche Tabakzigarette imitiert, ohne schädlich zu sein wie ihr Vorbild. Sie minimiert die körperlichen Konsequenzen, denen sich ein Raucher gewöhnlich aussetzt. So wie Lightversionen von Süssgetränken den Genuss des Originals minus dessen ärgste gesundheitsschädigende Folgen bieten. Die perfekte Kombination.

Eine ähnliche Entwicklung beschleunigte die Digitalisierung auf zwischenmenschlicher Ebene: Heute können wir auf der Dating-App Tinder unser Interesse an einer Person anbringen und erhalten nur eine Nachricht, wenn unsere Sympathiebekundung auf Gegenseitigkeit beruht. Ist dies nicht der Fall, wird das Gegenüber nie von unseren Gedanken erfahren. Wir müssen uns beim Anbandeln also nicht länger der Möglichkeit aussetzen, durch einen Korb gedemütigt zu werden. Haben wir erst die Gewissheit, ebenfalls begehrt zu werden, winkt uns das Flirtvergnügen ganz ohne negative Begleiterscheinungen.

Wer auf seine Gesundheit achten will, muss also nicht zwingend mit Rauchen aufhören, er kann auch auf E-Zigaretten umsteigen. Sie sind ein Kompromiss fürs Gewissen; eine Sünde, die eigentlich keine mehr ist. Der Ausdruck «Vaping» steht nicht nur für den Konsum von elektronischer Rauchware. Er erzählt auch von unserem Wunsch nach konsequenzvermindertem Genuss.

baz.ch/Newsnet

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