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Kampf gegen KlimawandelLaut Greenpeace verursachen Banken mit ihren Krediten weniger CO2

Banken tun aber weiterhin zu wenig, um den Klimawandel aufzuhalten, so eine neue Studie. Es fehlt zudem eine saubere Datenlage, um den Co2-Fussabdruck zu bemessen, den Banken durch ihre Finanzierungen auslösen.

Ein Laster transportiert 250 Tonnen Kohle aus einer Mine im US-Bundesstaat Montana. Banken versprechen, weniger solcher klimaschädlichen Aktivitäten zu finanzieren.
Ein Laster transportiert 250 Tonnen Kohle aus einer Mine im US-Bundesstaat Montana. Banken versprechen, weniger solcher klimaschädlichen Aktivitäten zu finanzieren.
Foto: Matthew Brown (Keystone)

Wenn Greenpeace eine Studie dazu auflegt, inwieweit Schweizer Banken mit ihrer Finanzierungstätigkeit den Klimawandel befeuern, so ist das Ergebnis erwartbar. Auch in der neuesten Ausgabe der jährlichen Studie rechnet die Umweltorganisation mit den Versprechen der Banken ab, sich für eine nachhaltige Wirtschaft einzusetzen. «Die von den beiden (Gross-)Banken finanzierten Emissionen überstiegen den CO2-Fussabdruck der Schweiz in jedem der letzten vier Jahre», heisst es in dem Greenpeace-Papier.

Doch die Studie enthält auch Überraschendes: Laut den Daten sank nämlich der CO2-Ausstoss, der aus den Unternehmensfinanzierungen von UBS und Credit Suisse resultiert – zumindest in den letzten 2 Jahren. Waren es 2017 in der Summe noch 113 Millionen Tonnen CO2, sank der Wert im Jahr 2019 auf knapp 54 Millionen Tonnen.

Georg Klingler, Klimaexperte von Greenpeace Schweiz, rät indes, dieser Betrachtung nicht zu viel Beachtung zu schenken. Er verweist auf das Jahr 2016, in dem der von UBS und CS finanzierte CO2-Ausstoss von fossilen Energien noch 52 Millionen Tonnen betragen hatte – und damit tiefer war als 2019. «Man könnte also sagen, dass seit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens bei den Schweizer Grossbanken nicht viel passiert ist», resümiert Klingler.

Der Greenpeace-Experte sieht jedoch durchaus Nuancen. So verweist er darauf, dass die UBS in jüngster Zeit etwas weniger fossile Energien finanziert. «Der Trend ist aber zu jung, um daraus ablesen zu können, dass die Klimavorgaben in der Kreditpolitik zu greifen beginnen», so der Greenpeace-Experte.

Die Daten von Greenpeace stützen sich auf die Studie «Banking on Climate Change» (https://www.ran.org/wp-content/uploads/2020/03/Banking_on_Climate_Change__2020_vF.pdf), die unter anderem von der grössten US-Naturschutzorganisation Sierra Club herausgegeben wird. Im internationalen Vergleich stehen laut dieser Studie UBS und Credit Suisse nicht allzu schlecht da: Die Credit Suisse, die traditionell stark im Energiesektor aktiv ist, steht im Jahr 2019 mit knapp 15 Milliarden Dollar Finanzierungen fossiler Energien auf Rang 17, die UBS kommt mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Dollar auf Rang 27. Die Plätze eins bis vier belegen die grossen US-Banken angeführt von J.P. Morgan.

Greenpeace hat die Kredite 101 Unternehmen aus dem Energiebereich zugeordnet. In einem zweiten Schritt wurde berechnet, wie viel fossile Brennstoffe mit den zur Verfügung gestellten Finanzierungen gefördert werden können. Und das wiederum ist die Basis zur Berechnung des aus den Bankfinanzierungen resultierenden CO2-Ausstosses.

Die Methode hat naturgemäss Unschärfen. Bei einem Mischkonzern, der zum Beispiel seinen Umsatz zu je 50 Prozent aus der Ölförderung und aus Windparks bezieht, ist von aussen nicht zu erkennen, in welche der beiden Sparten ein Bankkredit am Ende fliesst. Daher wird der Kredit nach der Greenpeace-Methode entsprechend pauschal zu 50 Prozent der Ölsparte zugeschlagen.

Ein weiterer Kritikpunkt der Banken ist, dass sie auch CO2-lastige Unternehmen finanzieren, eben, damit diese sich fit machen können für eine klimafreundliche Wirtschaft. Dies würde Greenpeace bei seiner Studie nicht berücksichtigen.

«Um die Klimaziele zu erreichen, müssen die Emissionen in absoluten Zahlen sinken, und Banken müssen ihren Beitrag dazu leisten.»

Georg Klingler, Klima-Experte von Greenpeace Schweiz

«UBS unterstützt mit ihrer ambitiösen Klimastrategie einen geregelten Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft, wie ihn das Pariser Klimaabkommen vorsieht», erklärt daher die UBS. Die CO2-relevanten Vermögenswerte der Bilanz würden sich noch auf 0,8 Prozent der Bilanz oder 1,9 Milliarden Dollar belaufen, rechnet die Bank vor.

Auch die Credit Suisse will sich nicht Untätigkeit vorwerfen lassen: 2019 habe die Grossbank eine gruppenweite Klimastrategie eingeführt. Neue Kohlekraftwerke würden nicht mehr finanziert. «Als globales Finanzinstitut anerkennt die Credit Suisse ihren Teil der Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels und ist sich bewusst, dass auch die Finanzströme mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang gebracht werden müssen», so ein Sprecher. Die Bereiche Kohle, Öl und Gas würden heute einen tiefen einstelligen Betrag des Kreditportfolios ausmachen.

«Um die Klimaziele zu erreichen, müssen die Emissionen in absoluten Zahlen sinken, und Banken müssen ihren Beitrag dazu leisten», fordert Greenpeace-Vertreter Klingler. Die bisher vorliegenden Daten liessen noch keinen klaren Trend in diese Richtung bei den beiden Grossbanken erkennen.

Letztlich fehlt eine klare Datenlage, um den von Banken verursachten CO2-Fussabdruck zu bemessen. Dazu hat das Bundesamt für Umwelt gemeinsam mit dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen in diesem Jahr einen neuen Klimatest initiiert. Er soll nicht nur die Anlagepolitik von Pensionskassen, sondern auch die Kreditpolitik der Banken auf ihren CO2-Abdruck untersuchen. Die Schweizerische Bankiervereinigung empfiehlt den Banken die Teilnahme. Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen – doch sie werden nur für die gesamte Branche und nicht auf Ebene der Einzelinstitute veröffentlicht.

Der erste Klimatest 2017, an dem 79 Pensionskassen und Versicherer teilnahmen, stellte der Finanzbranche kein gutes Zeugnis aus. Demnach leistet die Branche einer Klimaerwärmung von 4 bis 6 Grad Vorschub.