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Unternehmer-GesprächeLamello verzichtete auf Vollstopp

Die Baselbieter Firma beschäftigt heute sogar mehr Personal als zu Jahresbeginn.

Lamello-Chefin Susanne Affolter hätte sich vom Kanton eine bessere Corona-Kommunikation gewünscht.
Lamello-Chefin Susanne Affolter hätte sich vom Kanton eine bessere Corona-Kommunikation gewünscht.
 

Die Lamello AG in Bubendorf ist seit 70 Jahren in der Holzverbindungstechnik tätig. Zu ihren Kunden gehören hauptsächlich Schreinereien. Sie ist bislang ganz passabel durch die Corona-Krise gekommen. «Verglichen mit dem Stand vor Corona, waren wir Ende Juni bei 90 Prozent des Umsatzes», sagt Firmenchefin und Inhaberin Susanne Affolter. Hingegen sei die Ertragslage stark zurückgegangen. Immerhin schaute im ersten Halbjahr noch ein kleiner Gewinn heraus, nachdem im letzten Jahr trotz selbst finanzierter gesteigerter Investitionen und der zusätzlichen Kosten für die 50-Jahr-Jubiläums-Feier ein «sehr guter Reinertrag resultiert» hatte.

Zu Beginn der Corona-Krise hat Lamello reagiert und die Kosten vor allem beim Einkauf gesenkt. Die Anfang Jahr gestartete Personalexpansion ist zurückgenommen worden. Dennoch arbeiten in Bubendorf mit 98 Personen 5 mehr als zu Jahresbeginn. Rund 25 Prozent der Mitarbeitenden befinden sich in Kurzarbeit. Inklusive Ländergesellschaften liegt der Bestand bei 130 Personen.

Strategie schon 2019 angepasst

Die Geschäftsleitung hat das Vor-Corona-Umsatzniveau im Visier. Die im letzten Jahr angepasste Unternehmensstrategie ist der Motor. Das Unternehmen will sich von den weniger ertragreichen und
vergleichsweise kostenträchtigen Nebenbereichen (wie beispielsweise Spezialmaschinen, Holzreparaturen) trennen sowie bestehende Märkte mit einer verheissungsvollen Potenzialschätzung verstärkt bearbeiten. Dabei hat sich gezeigt, dass Lamello dort, wo man mit eigenen Vertriebsleuten arbeitet, erfolgreicher ist als in Märkten, wo beim Distributionspartner das Lamello-Produkt eines von vielen ist. In England, Spanien und südosteuropäischen Ländern wird deshalb eine eigene Verkaufsmannschaft auf die Beine gestellt. «Selbstständig» operieren die Baselbieter in den Märkten Deutschland, Italien, Österreich und Belgien.

Die Lamello AG produziert vor allem Holzverbindungen (Holzlamellen)  für Schreinereien.
Die Lamello AG produziert vor allem Holzverbindungen (Holzlamellen) für Schreinereien.
 

Zwei grosse Investitionen hat Lamello nicht gestoppt: das neue Logistik-Zentrum in Grenzach-Wyhlen und den Einbau einer neuen Filteranlage in Bubendorf. Kleinere Investitionen hingegen sind zurückgenommen worden. Dazu gehören der weitere Ausbau der Kunststoffspritzanlage um zwei Einheiten und die Anschaffung von Maschinen, «wos die alten auch noch tun», meint Susanne Affolter. Einige «Nice-to-haves» müssen auch noch warten.

Mit den von Bund und Kanton getroffenen finanziellen Massnahmen zeigt sich die Lamello-Chefin
zufrieden: «Wir waren froh über die vereinfachte Regelung der Kurzarbeit. Eine weitere Unterstützung war für uns kein Thema.»

Kritik am Kanton

An der Kommunikation des Kantons Baselland übt Susanne Affolter aber Kritik. Sie wünscht sich mehr Informationen von offizieller Seite. «Man muss sich das meiste aus Medienmitteilungen holen, zum Beispiel über die Regelung der Personenbeschränkung des Kantons Baselland vom 9. Juli dieses Jahres. Wir sind permanent gefordert, die richtigen Mitteilungen zu bekommen.» Viele Detailfragen seien ungeklärt, und oft sei es schwierig, die zuständigen Stellen für die richtigen Antworten zu finden.

Eine grosse Sorge sind die fehlenden Fachmessen. «Uns fehlen sie in diesem Jahr, weil wir dort in kurzer Zeit sehr viele Kunden über unsere Produkte informieren können, und gleichzeitig bietet sich uns dort auch immer wieder die Möglichkeit, mit unseren Partnern bestimmte Aktivitäten umzusetzen.»

So hält sich die Firmenchefin mit Prognosen zurück. Zu ungewiss erscheint ihr die globale Entwicklung mit Blick auf die Pandemie und die Konjunktur. «Wir sind weltweit tätig. Und die Situation in den einzelnen Märkten ist noch sehr unterschiedlich.