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Sturmtief BrigitteTeile Locarnos sind überflutet

Nach den starken Regenfällen im Tessin tritt der Lago Maggiore teilweise über die Ufer. Einzelne Strassen in Locarno sind bereits gesperrt. Die nächsten Tage werden weitere Niederschläge bringen.

Sturmtief Brigitte ist über die Schweiz gezogen. In der Zentralschweiz traten Bäche über die Ufer und im Tessin regnete es wie aus Kübeln.
Video: Tamedia

Im Tessin herrscht nach starken Regenfällen Hochwasser. Der Pegel des Lago Maggiore steht bei 195.47 Meter, was der Gefahrenstufe 2 entspricht. Das schreibt «tio.ch». Auf Videos und Fotos ist zu sehen, wie der Lago Maggiore manchenorts bereits über die Ufer getreten ist.

Bereits am Samstag musst die Stadtpolizei Locarno einige Strassen sperren, weil diese mit Wasser geflutet worden waren. Auch sprach sie eine Warnung aus: «Die Autos, die in der Nähe des Sees geparkt sind, laufen Gefahr, vom Wasser überflutet zu werden.»

Für den Verlauf des Sonntags sind weitere Regenfälle vorhergesagt. Es ist gut möglich, dass dadurch die Gefahrenstufe 3 erreicht wird, schreibt «tio.ch». Diese wäre bei einem Pegelstand ab 195.5 Metern erreicht.

Die Uferzone von Locarno steht unter Wasser. (4. Oktober 2020)
Die Uferzone von Locarno steht unter Wasser. (4. Oktober 2020)
Foto: Samuel Golay (Keystone)

Dass es im Tessin weiter regnen wird, bestätigt auch Michael Krucker von Meteo News: «Bis morgen Mittag, vor allem auch in der Nacht, erwarten wir nochmals viel Regen.» So würden insbesondere im Nordtessin lokal 40-60 Liter pro Quadratmeter erwartet.

In Uri und Surselva regnet es weiter

Im Süden des Tessins, wo auch der Lago Maggiore liegt, falle zwar etwas weniger Regen. Aber: Auch dort werde es mit lokal 30-40 l/m² nochmals ordentlich regnen. Allerdings: Den Pegelstand des Lago Maggiore wird das nur sehr bedingt beeinflussen, da dessen Hauptzuflüsse Maggia und Verzasca im Nordtessin entspringen.

Auch ennet dem Gotthard in der Deutschschweiz wird es weiter stark regnen. «Die Regenfront wird über den Alpenhauptkamm in die Deutschschweiz herübergedrückt», sagt Michael Krucker. Vor allem im Urner Oberland aber auch in der Surselva werde nochmals viel Regen fallen: Erwartet werden 20-30l/m². Krucker hält aber in Bezug auf Niederschläge in den nächsten Tagen fest: «Die grössten Regenmengen sind bereits gefallen, das Gröbste ist durch.»

Der Gotthard-Pass ist nach den heftigen Niederschlägen vom Freitag und Samstag bis auf Weiteres gesperrt. Das schlechte Wetter verhinderte das Aufräumen und Reparieren in der Nacht auf Sonntag.

Auch am Sonntag könne aus Sicherheitsgründen zwischen Hospental UR und der Passhöhe nicht gearbeitet werden, schrieb das Bundesamt für Strassen (Astra). Aufräumarbeiten an der Gotthard-Passstrasse sind frühestens am Montag wieder möglich.

Das Urserental bleibt aber auf der Strasse erreichbar. Die Zufahrt von Göschenen her nach Andermatt, Hospental und Realp ist offen.

Autobahn A2 wieder offen

Die Autobahn A2 ist seit Sonntag 01.16 Uhr in beiden Fahrtrichtungen wieder offen. Die Polizei hatte am Samstag kurz nach Mitternacht die A2 zwischen Beckenried NW und Erstfeld UR nach heftigen Regenfällen komplett gesperrt, da die Reuss über die Ufer zu gehen drohte.

Zwischen Seedorf und Attinghausen leitete die Polizei Reusswasser ab, wodurch die A2 zwischen den beiden Urner Orten Seefdorf und Attinghausen unter Wasser stand. Im unteren Urner Reusstal sind zwei Abschnitte der Autobahn als Rückhaltebecken für Hochwasser ausgelegt. Ab einer bestimmten Abflussmenge der Reuss wird das Wasser auf die A2 geleitet, um das Siedlungsgebiet zu schützen.

Wegen der Autobahn-Sperrung waren die Kantonsstrassen zwischen Flüelen und Erstfeld überlastet. Die Polizei empfahl dringend, den Kanton Uri zu umfahren. Gesperrt war auch die Kantonsstrasse zwischen Hospental und Realp. Alle Urner Alpenpässe sollten bis mindestens Sonntagmorgen gesperrt bleiben. In den anderen Zentralschweizer Kantonen blieb die Wetterlage dagegen ruhig, wie eine Umfrage bei den Kantonspolizeien ergab.

Die A2 zwischen Beckenried und Erstfeld war wegen Hochwasser gesperrt. An der Gotthard-Route mussten nachts 120 Lastwagenchauffeure geweckt werden.
Die A2 zwischen Beckenried und Erstfeld war wegen Hochwasser gesperrt. An der Gotthard-Route mussten nachts 120 Lastwagenchauffeure geweckt werden.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die Autobahnraststätte an der Gotthard-Route und das Schwerverkehrszentrum in Erstfeld wurde in der Nacht auf Samstag evakuiert, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Im Schwerverkehrszentrum habe man die 120 anwesenden Lastwagenchauffeure geweckt und in Absprache mit der Kantonspolizei Tessin zur Weiterfahrt aufgefordert. Der Transitverkehr, insbesondere der Schwerverkehr, wurde in beiden Richtungen über die A13 über den San Bernadino umgeleitet.

Das Tief Brigitte hat bis Samstagvormittag Rekordregen und Orkanböen über die Schweiz gebracht. Im Tessin hatte es laut SRF Meteo innert 24 Stunden zum Teil mehr geregnet als sonst im ganzen Monat Oktober. So sind in Mosogno 305 Millimeter Regen gefallen. Auch sonst gab es im Tessin und in angrenzenden Gebieten teilweise deutlich über 100 Millimeter Niederschlag. Im Südkanton waren mehrere Strassen wegen Schäden gesperrt.

Rund 40 Mal mussten Feuerwehrleute ausrücken, namentlich in der Region Locarno. Mehrere Stromausfälle wurden gemeldet, wie die Kantonspolizei am Samstag mitteilte. In den Grossräumen Locarno, Lugano und Bellinzona waren einige Nebenstrassen wegen umgestürzter Bäume blockiert.

Felder in der Nähe von Gudo sind überflutet, nachdem der Ticino über die Ufer getreten ist. (3. Oktober 2020)
Felder in der Nähe von Gudo sind überflutet, nachdem der Ticino über die Ufer getreten ist. (3. Oktober 2020)
Foto: Samuel Golay (Keystone)

Der Fluss Ticino trat an mehreren Stellen über die Ufer. In der Magadino-Ebene mussten Kühe von ihren Weiden in Flussnähe geholt und in Sicherheit gebracht werden. Die Maggia führte so viel Wasser wie noch nie, bis zu 2337 Kubikmeter in der Sekunde.

Auf der Cimetta oberhalb von Locarno wurden Böen von bis zu 144,7 Kilometern pro Stunde gemessen. Auf dem 2171 Meter hohen Gipfel Matro oberhalb der Leventina waren es sogar 181,1 Kilometer pro Stunde. Das war nach Angaben von Meteoschweiz der zweithöchste je von einem Scirocco-Sturm erreichte Wert. Laut dem Wetterdienst war die intensivste Phase der Niederschläge im Tessin am Nachmittag vorüber.

Gesperrte Strassen im Wallis und Graubünden

Im Graubünden waren bis Samstagvormittag an mehreren Orten Rüfen niedergegangen. Die Strasse im Bergell, die Italien mit dem Oberengadin verbindet, war am Morgen aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt worden, weil die Bondasca bei Bondo Hochwasser führte, wie ein Polizeisprecher sagte. Nach rund zwei Stunden sei die Strasse mit Einschränkungen wieder befahrbar gewesen.

Die kanalisierte Reuss ist bei Seedorf über die Ufer getreten.
Die kanalisierte Reuss ist bei Seedorf über die Ufer getreten.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Im Kanton Wallis wurden mehrere Nebenstrassen nicht passierbar. Die Strasse zwischen Sitten und Sanetschpass war wegen Sturmschäden in beiden Richtungen gesperrt. Erdrutsche habe es vor allem im Oberwallis gegeben, sagte der Sprecher am Vormittag. Nach Angaben eines Polizeisprechers war die Lage aber unter Kontrolle. Vorsorglich seien auch der Simplonpass und der Nufenenpass gesperrt worden. Feuerwehren seien wegen unpassierbarer Strassen im Einsatz. Die Behörden warnen vor

Im Kanton Bern war in Unterbach bei Meiringen die Aare brünigseitig über die Ufer getreten, sagte Ramona Mock von der Kantonspolizei Bern. Weil nicht sicher war, ob der Damm zwischen Aare und Hauptstrasse dem Wasserdruck standhalten würde, habe man die Strasse einstweilen gesperrt. Zudem seien Kühe evakuiert worden.

Starkregen auch im Ausland

Das Unwetter hat auch im Ausland gewütet. Im Piemont und in Südfrankreich gibt es schwere Schäden und Vermisste. Lesen Sie mehr dazu: Todesopfer und Chaos in Südfrankreich und Norditalien

Der Starkregen führte in Mergozzo (I) zu überschwemmten Strassen.
Der Starkregen führte in Mergozzo (I) zu überschwemmten Strassen.

sda/ij/chk

9 Kommentare
    Wolfgang Blanck

    Wo immer möglich sollte man den zu engen Anzügen der Flüsse ihre natürlichen Flussbette zurück geben...