Wohltemperierter Rausschmeisser

Alles andere als ein verstaubter Olides-Act: Rock Tito & Tarantula auf dem Kulturfloss.

Psychedelisch angehauchter Roots-Rock auf dem Floss.

Psychedelisch angehauchter Roots-Rock auf dem Floss.

(Bild: Dominik Plüss)

«After Dark» ist wohl das einzige Stück von Tito Larriva, das das zahlreich am Rheinbord ­ein­getroffene Publikum kennt. ­Diese Berühmtheit verdankt die schwül-sinnliche Latin-Rock-Nummer ihrer Verwendung bei einer Schlüsselszene in Robert Rodriguez’ Vampirklamotte «From Dusk Till Dawn», in der Salma Hayek einen unvergesslich lasziven Schlangentanz ­vorführt.

Film und Song sind inzwischen mehr als zwanzig Jahre alt. Trotzdem sollte man Larrivas Band Tito & Tarantula nicht für einen verstaubten Oldies-Act halten. Schon bei den ersten in Basel gespielten Songs «Strange Face Of Love» und «Bed Of Lies» greifen die Gitarren mit einer ­geradezu magischen Eleganz ineinander. Dazu kommen schwebende Keyboards, Mandolinen und Geigen, Bass und Schlagzeug untermalen alles federnd und doch druckvoll.

Tito Larriva raut seinen psychedelisch angehauchten Roots-Rock mit einer leicht vulgär ­wirkenden Soul-Stimme auf und erinnert dabei an einen liebestrunkenen Rausschmeisser. Derb sind die Ansagen, mit denen der bullige Kalifornier das Programm würzt. «Den nächsten Song habe ich für ‹Desperado› von Robert Rodriguez geschrieben», sagt Larriva über «Back To The House That Love Built». «In diesem Film durfte ich Quentin Tarantino mit einem Kopfschuss niederstrecken. Es gibt viele ­Leute, die mich um diese ­Chance beneiden.»

Maliziöse Direktheit

Nach den jüngsten Schiessereien in El Paso und Dayton, die der Debatte um die Waffengewalt in den USA eine traurige Tages­aktualität verliehen haben, könnte man Larriva für geschmack­loses Timing schelten. Gleichzeitig steht da einer auf der Bühne, der sich nicht verbiegt, nur um dem fremden Publikum zu gefallen. Dieses Gebaren hat eine maliziöse Direktheit und kommt am Rheinufer gut an.

Nur wird das Konzert der ­raubeinigen Gangart des Bandleaders kaum gerecht. Das liegt teilweise an Tito & Tarantulas Songs, die mit wenigen Ausnahmen wie aneinandergereihte ­Zitate wirken. Dem kann auch das sorgfältige Zusammenspiel der fünf Bandmitglieder nicht entgegenwirken: «Angry Cockroaches», wohl das schnellste Stück im Repertoire, vermittelt in Basel weder Dringlichkeit noch Selbstvergessenheit; die schelmische Anmache «Motorcycle Girl» wirkt indes wie eine Comedy-Nummer ohne Pointe.

Die Detailarbeit zahlt sich hingegen aus, als Tito & Tarantula am Ende des regulären Sets «After Dark» anstimmen – und scheinbar mühelos die dunkle Erotik von «From Dusk Till Dawn» erwecken. Wild wird ihr Basler Konzert nur gerade in der Zu­gabe «La Bamba», die Larriva mit leicht verstimmter Gitarre punkig anreisst.

Bei einem Auftritt einer Band, dessen Renommee nach mehr als zwanzig Jahren auf der Gefährlichkeit ihrer Erkennungsmelodie «After Dark» basiert, kommt der Augenblick der Befreiung aber merklich spät.

Basler Zeitung

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