Wie gross können Regentropfen werden?

Regentropfen sind am Anfang winzig und werden dann grösser. Die Tränen des Himmels weisen aber auch noch andere interessante Merkmale auf.

Martin Hicklin beantwortet die Kinderfragen.

Martin Hicklin beantwortet die Kinderfragen.

(Bild: Nicole Pont)

Es kommt schon mal vor, dass man nicht schlafen kann, weil in der Nähe ein Wasserhahn vor sich her tropft. Je nach Zufuhr kann zwischen zwei Tropfenglucksern ziemlich viel Zeit verstreichen. Das Warten nervt. So haben wir keine Ruhe. Gehen wir also zum Wasserhahn und schauen, was da passiert.

An der untersten Stelle bildet sich immer wieder eine kleine Wölbung aus Wasser. Sie formt sich langsam zur Kugel. Die hängt eine Zeit lang noch am Hahn. Hat sie ein bestimmtes Gewicht erreicht, löst sie sich. Ein Faden von Wasser zeigt sich noch kurz. Dann fällt der Tropfen allein und ein paar kleinere nach. Zuerst hat er am oberen Ende noch ein spitzes Ende, wo vorher der Faden war. Aber sehr schnell formt er sich zur Kugel, bis er aufschlägt und sich in kleinere kuglige Spritzer aufteilt. Gross ist der Tropfen nicht geworden. Nicht so gross, scheint es jedenfalls, wie die Regentropfen eines beginnenden Platzregens. Da gab es auf dem grauen Asphalt grosse feuchte Flecken. Daher die Frage: Kann ein Regentropfen mehr Wasser enthalten als jener an unserem Hahn? Und wie gross kann er werden?

Es könnte mit der unterschiedlichen Entstehungsgeschichte zusammenhängen. Am Hahn bildet sich ein Wassertropfen vor allem unter Einfluss der Schwer- oder Anziehungskraft, die zwischen Tropfen und Erde wirkt. Zudem wird der nun in der Luft hängende Tropfen durch die sogenannte Ober­flächenspannung geformt. Sie wird von den Wirkungen zwischen den Wassermole­külen bestimmt und bringt das Paket Wasser in jene Gestalt, die am wenigsten Energie kostet: jene einer Kugel.

Regentropfen starten angelagert als winzige Tröpfchen an einem Staubkorn oder Ascheteilchen. Dann legen sie noch im Auf und Ab der Winde in den Wolken an Umfang zu. Etwa, indem sie mit kleineren Tröpfchen zusammenstossen und sie sich einverleiben oder selbst von einem dicken Kollegen übernommen werden. Beim Fallen begegnen sie Aufwinden. Wird der Tropfen grösser, wird er flach in die Form eines Hamburgers gedrückt, kriegt die Form einer Bohne und sieht am Ende gar wie eine luft­gefüllte Qualle aus. Dann kann er in kleinere Teile zerfallen.

Dass der Himmel Tränen (unten kugelförmige Tropfen mit spitzem Ende oben) weint, kommt also nur in Gedichten vor. Es war ein James Edward McDonald, der dies 1954 nachwies. Er war ein amerikanischer Wolkenforscher. Er wurde aber vor allem dafür berühmt, dass er sich für UFO-Forschung einsetzte. UFO ist die Abkürzung für rätselhafte (nicht identifizierbare) fliegende «Objekte» oder Dinger, worunter eben auch Raumschiffe Ausserirdischer gemeint sein können.

Grosse Regentropfen haben nach den meisten Schilderungen in der Regel einen ­Durchmesser von vier bis sechs Millimetern. Die £bisher ­grössten Regentropfen, die wirklich gemessen wurden, ­fanden sich 1986 in einem tropischen Sturm über Hawaii. Sie hatten acht Millimeter Durchmesser. 1995 wurden in Wolken über Brasilien sogar Tropfen von 8,8 bis 10 Millimetern (ein Zenti-meter) Durchmesser beobachtet. Sie hatten sich an Asche­teilchen von Waldbränden gebildet. Ob sie je den Boden erreicht haben, weiss man nicht.

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