Wie Basel künftig glänzen soll

Das Kulturleitbild 2020 bis 2025 geht ab sofort in Vernehmlassung. Es setzt weiterhin auf die Eckpfeiler Musik, Theater, Museen. Ein Richtungswechsel ist nirgendwo zu sehen.

Die Weichen im Bereich Kultur werden von drei Frauen gestellt: Elisabeth Ackermann, Sonja Kuhn und Katrin Grögel (von links).

Die Weichen im Bereich Kultur werden von drei Frauen gestellt: Elisabeth Ackermann, Sonja Kuhn und Katrin Grögel (von links).

(Bild: Dominik Plüss)

Markus Wüest

«Die Stadt Basel gilt als Zentrum der Architektur, der Musik, des Theaters und natürlich der bildenden Kunst und der Museen.» Dieser Satz, zu finden auf der Seite  20 des neuen Kulturleit­bildes des Kantons Basel-Stadt, das gestern der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, trifft den Nagel auf den Kopf.

Basel ist nicht das eidgenössische Zentrum des Filmschaffens, ist trotz einiger renommierter, hier ansässiger Schriftsteller nicht der Brennpunkt der hiesigen Literatur und macht sich nicht weltweit einen Namen als Modekapitale oder Designhauptstadt. Aber mit dem «Theater des Jahres» (2018), seinen hochklassigen Museen, den hervorragenden Orchestern und einer fast schon sagenhaften Dichte an Bauten von Architekten, die den Pritzker-Preis erhalten haben – quasi den Nobelpreis in ihrem Metier –, kann Basel tatsächlich glänzen.

Als Re­gierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, sekundiert von den beiden Co-Leiterinnen der Abteilung Kultur, Sonja Kuhn und ­Katrin Grögel, gestern das neue Kulturleitbild vorstellte, war nicht mit grossen Würfen und dramatischen Weichen­stellungen zu rechnen. Herausgekommen ist vielmehr eine weitgehend konsequente Fortführung des Erreichten herausgekommen.

Drei übergeordnete Ziele

Das Kulturleitbild 2020 bis 2025 formuliert drei übergeordnete Ziele: Basel will mit seinem Kulturangebot «weiterhin international für Aufsehen sorgen». Die kulturelle Innovation soll gefördert werden und die «Kulturpolitik soll auf der Höhe der Zeit bleiben».

Wenn man sich ganz sec auf die Zahlen abstützt, wird der Eindruck der linientreuen Weiterentwicklung bestärkt. Mit grossem Abstand am meisten kantonale Mittel erhält auch weiterhin das Theater Basel. 2019 sind es über 40,5 Millionen Franken. Dahinter folgen das Kunstmuseum (19,6 Millionen) und das Historische Museum (10,5 Millionen). Die Museen insgesamt erhalten 55,8 Millionen. Die Sparte Musik (Das Sinfonieorchester vor allem) erhält insgesamt 10,2 Millionen. Das ist ungefähr gleich viel wie der Bereich «Kulturelles Erbe», wozu in erster Linie die Archäologische Bodenforschung und das Staatsarchiv gehören. Für das «kulturelle Erbe» werden insgesamt 10,7 Millionen ausgegeben.

Wenn Ackermann, Kuhn und Grögel trotzdem von einem «kräftigen Schub für die Basler Kulturlandschaft» reden und von «kultureller Innovation», so sind damit unter anderem gemeint: eine Stärkung der Architekturstadt Basel und mehr Kunst im öffentlichen Raum. Eine «Verbesserung der Produktions­bedingungen» der freien (Theater-)Szene und eine «aktivere Vermittlung von Kultur».

Kuhn und Grögel redeten insbesondere von einer verstärkten Digitalisierung der Bestände (gerade auch der Museen), von den Atelier- und Proberäumen, die in den nächsten Jahren – endlich – zur Verfügung gestellt werden sollen, von der «konsequenten Umsetzung» des Museumsleitbildes und von einer «weiteren Verankerung der Jugendkultur im öffentlichen Leben».

Noch nicht ausgeschöpft

Interessant mag die Behauptung oder Feststellung sein, dass die Musikstadt Basel ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe. «Der Regierungsrat ist überzeugt, dass gemessen an der Vielfalt hochkarätiger Orchester und Ensembles national und international mehr Ausstrahlungskraft» erreicht werden könne. Das Musikangebot müsse daher «sicht­barer» gemacht werden. Wobei man Musik eigentlich am liebsten hören will …

Gerade in diesem Zusammenhang fällt in den Presseunter­lagen das Wort Kulturkommunikation auf, das sich auch in dem rund 70-seitigen Kulturleitbild öfter findet. Auf die Nachfrage, ob denn all diese Anstrengungen – Kommunikation, Digitalisierung, statistische Erfassung der Nutzung all der Angebote – zu einem Stellenausbau in der Abteilung Kultur führen werden, hiess es von Katrin Grögel: nein.

Zum Stichwort «Fördern auf der Höhe der Zeit»: Damit ist ­offenbar gemeint, dass eine grössere Chancengleichheit und Gendergerechtigkeit erreicht werden soll. Zum Beispiel mehr Frauen in Rockbands oder bei Theaterproduktionen. Mit der Trinkgeld-Initiative und der Forderung der freien Theaterszene, nach mehr Geld laufen auf politischer Ebene so oder so Versuche, das in Basels Kultur Festgefügte, etwas aufzubrechen.

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