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Warum fährt die Eisenbahn auf Schotter?

Kinder fragen – Martin Hicklin antwortet

Ein Bett von Steinen: Schotter nennt man diese auf genaue Grösse ausgesuchten oder ausgesiebten Steinbrocken
Ein Bett von Steinen: Schotter nennt man diese auf genaue Grösse ausgesuchten oder ausgesiebten Steinbrocken
Thomas Egli

Es ist schon merkwürdig. Die Züge werden immer moderner. Aber die Schienen liegen wie am Anfang der Eisenbahn noch immer auf einem Bett von Steinen. Schotter nennt man diese auf genaue Grösse ausgesuchten oder ausgesiebten Steinbrocken. Sie bestehen beispielsweise aus hartem Granit und stammen zum Beispiel vom Gotthard, wo es besonders viel davon hat. Anders als der von Flüssen rund geschliffene Kies haben ­Schottersteine scharfe Kanten. Das muss so sein. Denn die Steine sollen sich ineinander verkeilen, wenn sie festgetreten oder gestampft werden. So hält das Ganze über lange Zeit sehr viel aus. Auch dort, wo jeden Tag Hunderte Züge durch­fahren. Und da sind wir auch schon bei den Vorteilen.

Ein Zug ist viele Tonnen schwer. Zudem kann er hohe Geschwindigkeiten erreichen. Die Räder üben denn auch starke Kräfte auf die Schienen aus. Diese Belastungen werden abgefedert und über die ­Schottersteine verteilt und ertragen. Die mit Schwellen verbundenen Schienen schwimmen auf dem Bett aus Steinen. Das Netzwerk aus zusammengepressten Steinen mit Zwischenräumen ist etwas verformbar und wirkt so auch als Schalldämpfer. Die ­Zwischenräume zwischen den verkeilten Schottersteinen sind dabei sehr wichtig. Dank ihnen kann auch eine Menge Regenwasser abfliessen. Es wird dank klugem Gleisaufbau in Rinnen neben den Geleisen abgeleitet. So wird vermieden, dass das ganze Gleisbett dauerhaft unter Wasser gerät. Das könnte schnell zu Schäden führen. Die Folge: Der Zug kann solche Strecken, bevor sie repariert sind, nur langsam befahren.

«Bettungsaushubmaschine»

Auf Schotter haben es auch Pflanzen schwer. Sie sind ohnehin zwischen den Schienen nicht gern gesehen, weil sich so auch Humusboden bildet und die Wasserdurch­lässigkeit leidet. In heissen Sommern erhitzen sich die Geleise stark, die Schienen dehnen sich aus. Auch diese Kräfte hilft der Schotter ­auszugleichen.

Ein Schotterbett ist vergleichsweise leicht zu pflegen. Nur alle fünf bis sechs Jahre muss die oberste Schicht bearbeitet werden. Man entfernt verschmutzte und lose Steine. Sie sind durch Öl und andere Sachen braun geworden und haben oft ihre scharfen Kanten verloren. Man sortiert sie, bringt sie in die Reinigung und ersetzt sie durch neue. Dann wird das Bett festgestampft und hält wieder.

War der Gleisbau früher oft harte Handarbeit, bei der etwa die Steine unter die Schwellen gehämmert werden mussten, so helfen heute Maschinen bei der Arbeit. Ihre Namen deuten schon an, was alles gemacht werden muss. So ist eine «Bettungsaushubmaschine» am Werk, dann eine Planiermaschine und am Schluss ein Gleisstopfer, der das Schotterbett verdichtet. Der ganze Gleisaufbau, von dem wir nur die oberste Schotterschicht sehen, ist im Ganzen ein ­raffiniertes Baukunstwerk.

Man kann Geleise auch auf einem Untergrund von Beton oder Asphalt verlegen. Wie sie für die Tramzüge in der Stadt gebaut werden. Auch in ­Tunneln kann eine solche Bau­weise einer «festen ­Fahrbahn» ­gewählt werden. Auf offenen Strecken ist der Schotter aber noch immer ungeschlagen. Allerdings gibt er trotz allem viel zu tun. Kein Wunder, bei einem Streckennetz von 3228 Schienen-­Kilometern in der Schweiz.

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