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Verhaftet diesen Künstler

Junge russische Rapper geben sich politisch. Die Behörden lassen sich nicht zweimal bitten.

Gibt sich politisch: Der russische Rapper Husky. Foto: Youtube
Gibt sich politisch: Der russische Rapper Husky. Foto: Youtube

Wenn nicht politisch, dann ungeschönt verzweifelt. Im Video zum Song «Judas» geistert Rapper Husky (25) kahl, im Trainingsanzug, aber seltsam verwundbar durch eine postsowjetische Albtraumstadt. Dealer, Schläger, Süchtige, immer wieder spritzt Blut, alles ist hart und trostlos. Der Stoff, den alle rauchen: Hip-Hop. Husky rappt und lallt in eine Kamera auf Stativ, die Videobänder (vergiss digital) werden im Fleischwolf zu Stoff gemahlen und in Joints gekörnt. Husky stammt aus Ulan-Ude in Sibirien. Finstere Provinz.

Hip-Hop als Droge, klingt gefährlich. Die russischen Behörden liessen das Video auf youtube.ru sperren. Dann warnten sie letzte Woche einen Club in Krasnodar, Husky verbreite «Extremismus». Als der trotzdem auftreten wollte, wurde der Strom abgedreht. Die Fans kamen auf die Strasse, Husky kletterte auf ein Auto und rappte, bis er abgeführt wurde. Hooliganismus.

Zu Wochenbeginn kam er nun wieder frei. Wahrscheinlich sei der Kreml «überrascht über den vereinten Protest gegen Huskys Verhaftung», schrieb der Oppositionspolitiker Alexei Nawalny in sozialen Medien. Ein wenig enttäuscht war er angesichts der schnellen Entlassung, denn Husky mobilisiert die Jungen. Mehr als der Filmemacher und Regisseur Kirill Serebrennikow, der unter Hausarrest und vor Gericht steht. Am Opernhaus Zürich läuft seine per Video inszenierte Produktion «Così fan tutte».

Russlands Rapper geben sich ungehorsam. Oxxxymiron schreibt online: «Sie machen Künstler verantwortlich für die Probleme der Gesellschaft, das ist einfacher, als die wahren Gründe anzupacken.» Keine harmlose Aussage. Am Montag fand in Moskau ein Solidaritätskonzert für Husky statt, mit dabei: Face (21) aus Ufa. Der schlaksige Bub wurde eigentlich berühmt mit kalten Songs über Konsum und Nihilismus, sein grosser Hit war «Burger» (2017). In seinen neuen Stücken aber nennt er Russland «ein grosses Gefangenenlager» und sich selber einen «Staatsfeind».

Eine verblüffende Wandlung. Selbst wenn Rebellentum auch Mode sein kann und schon immer dazu gehört hat: Der Frust der Jungen nimmt zu in Russland. Die Rapper spiegeln das.

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