Weiteres ist in Planung

Das Theater Basel kündigt Aufführungen erstaunlich kurzfristig und vage an – warum nur?

Darius Milhauds Oper «La mère coupable» wurde jüngst als Kammerspiel im Theaterfoyer gezeigt. Es gab genau eine Vorstellung. Foto: Kim Culetto

Darius Milhauds Oper «La mère coupable» wurde jüngst als Kammerspiel im Theaterfoyer gezeigt. Es gab genau eine Vorstellung. Foto: Kim Culetto

Simon Bordier

Haben Sie schon Pläne für den Frühling? Möchten Sie nicht wieder einmal ins Theater? Am Basler Dreispartenhaus zum Beispiel läuft demnächst «Sharon Eyal/Bryan Arias» an, ein Tanzabend, bei dem sich das Ensemble wie eine Maschine zu Trommeln, Technobeats und Salsarhythmen bewegt.

Schade nur, dass der Vorstellungskalender etwas aus dem Takt geraten ist. Denn man findet für die Show Aufführungsdaten für die Monate Februar und März; mehr aber auch nicht. «Weitere Vorstellungen in Planung», lässt das Theater Basel auf seiner Internetseite wissen.

Ähnlich vage sieht die Situation in «Unsere kleine Stadt» und «Hier ist noch alles möglich» aus. Für die beiden Neuproduktionen gibt das Theater die Premierendaten sowie einzelne Aufführungstermine im März an. «Weitere Vorstellungen in Planung.»

Genau ein Aufführungstermin für das Stück «Hier ist noch alles möglich.» Screenshot: theater-basel.ch

Fast schon weitsichtig wirkt die Agenda im Fall von Tschechows «Kirschgarten» und des Operettenstücks «Die Kuh vom Eis». Deren Erstaufführungstermine sind nämlich bereits jetzt publik, obwohl die Werke erst in gut zwei Monaten, im April (!), anlaufen. Was über die Premieren hinausgeht, steht indes in den Sternen: «Weitere Vorstellungen in Planung.»

Der «Kuh vom Eis» und der «kleinen Stadt» dürfte es aber zumindest besser ergehen als jüngst Darius Milhauds «La mère coupable». Die selten gespielte Oper aus den 1960er-Jahren sollte den Abschluss der Figaro-Trilogie bilden, die sich das Theater in dieser Spielzeit vorgenommen hat: Nach Rossinis «Il barbiere di Siviglia» und Mozarts «Le nozze di Figaro» sollte nun auch der oft vernachlässigte dritte Teil der Komödie zum Zug kommen.

Doch der Vertonung von Milhaud schien man in Basel doch nicht ganz über den Weg zu trauen: Die Oper wurde nicht zur Gänze aufgeführt, sondern auszugsweise mit Klavierbegleitung und Moderation im Theaterfoyer. Die Angaben auf der Internetseite liessen zunächst noch glauben, dass es zu weiteren Aufführungen kommen könnte. Doch inzwischen sah sich das Theater zu einer Klarstellung in Grossbuchstaben genötigt: «NUR EINE VORSTELLUNG!»

Der üppige Strauss an Uraufführungen, Koproduktionen und prominent besetzten Neuinszenierungen in dieser Spielzeit liess beinahe vergessen, dass derzeit de facto ein führungstechnisches Vakuum im Basler Theater herrscht: Der alte Intendant, Andreas Beck, ist mit einem Teil des Schauspielensembles nach München abgereist, sein Nachfolger, Benedikt von Peter, kommt erst im Sommer nach Basel. Je länger dieses Interregnum andauert, desto stärker wird es als solches spürbar. Jetzt, gegen Ende der Spielzeit, ist offenbar Improvisation angesagt. «Weitere Vorstellungen in Planung.»

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