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Hardy fährt wieder Motocross...

Emil hat auch mit 86 Jahren noch seinen Spass daran, auf der Bühne zu stehen. Sein neues Programm beinhaltet viele Klassiker.

Emil als Gourmet, der gerade versucht, dem Nachbarn ein Häppchen zu stehlen...
Emil als Gourmet, der gerade versucht, dem Nachbarn ein Häppchen zu stehlen...
Ursula Hersperger

Man kennt das ja von Rock-Konzerten: Kaum stimmen die Musiker die erste Takte einer ihrer Hits an, fangen die Fans im Publikum schon, Wort für Wort mitzusingen. Wer einen Künstler verehrt, der setzt sich mit dessen Werk auseinander, nicht nur während des Live-Erlebnisses sondern auch daheim.

Bei Kabarettisten dürfte dieser vertiefte Werkkenntnis eher die Ausnahme sein. Doch wenn Emil in seinem neuen Programm «Alles Emil, oder?» als hyperventilierender, angehender Vater auf der Bühne seine Nummer mit dem freudig aufgeregten «Schwöschter, Schwöschter» anfängt, dann weiss der Herr, der in der Reihe hinter uns im Fauteuil Theater sitzt, schon im voraus, wie dieser Spitalbesucher in freudiger Erwartung seines Erstgeborenen heisst: «Wartenweiler».

Und wenn später im Programm der nicht übermässig mit Intelligenz versehene aber treuherzige Velorennfahrer «Hugi» auftritt, können manche ganze Textpassagen mitreden. Grossartig.

Das ist schon, wie man heute sagen würde, ein Alleinstellungsmerkmal dieses ehemaligen Luzerner Postbeamten, der zum international bekannten Kabarettisten wurde, dessen Nummern auch auf Hochdeutsch und Französisch funktionieren. Es gibt noch ein zweites: Welcher andere Kabarettist steht im Alter von 86 Jahren noch gut zwei Stunden auf der Bühne?

Agil wie ein Junger

Nur einmal musste er in der Vorstellung kurz den Spickzettel benutzen. Nur zwei oder drei Mal holperte er ganz leicht. Sonst: Perfekt! Und wenn er zum Schluss des ersten Aktes – also vor der Pause – sich im improvisierten Bett (nicht mehr als ein Brett) zum Schlaf sich bettet und sich immer wieder einen Zipfel der Bettdecke so zurecht schlägt, dass es für ihn stimmt, aber dann doch keine Ruhe findet, so steht er erstaunlich behende auf, für einen Mann seines Alters. Da staunt so manch ein Zeitgenosse unter den Zuschauern. Und manche eine andere Grau- oder Weisshaarige zollt ihm auf dem Weg in die Pause Respekt: «Hast du gesehen, wie fit er noch ist?» raunt sie ihrem Begleiter zu.

Tatsächlich. Nur hin und wieder braucht Emil Hilfe. Etwa, wenn er seinen Kopf fast nicht mehr aus dem Helm kriegt, den der Radrennfahrer Hugi sich zugetan hat, da er nun auch Elektro-Formel-Eins-Rennen fahren will. Dann ruft Emil hilfesuchend «Service!» und sofort kommt seine Frau Niccel auf die Bühne und steht ihm tatkräftig zur Seite. Es wird zu einer Art Running Gag dieses Programms, dieses «Service!»

In den zwei Stunden von «Alles Emil, oder?» ist viel ganz, ganz Altes drin. «Am Kiosk» zum Beispiel – die Sache mit dem Nougat-Dääfeli, das so effektiv beim Zähneziehen wirkt. Oder die Nummer «Im Verkehrshaus» – es sind Rotoren! nicht Motoren». Beide Sketches stammen aus seinem Programm «Unvergässlichi Gschichte» vom Anfang der 70er-Jahre.

Leicht überarbeitet

Sie funktionieren immer noch. Emil hat die Texte zum Teil leicht überarbeitet, hat ein paar Sachen dem 21. Jahrhundert angepasst, aber im Kern sind es immer noch die Kabarettnummern eines gut 50 Jahre jüngeren Mannes, die nun der 86-Jährige mit Charme darbietet.

In seinen kurzen Ansagen zwischen den Nummern improvisiert er gelegentlich, spielt auch ein wenig mit dem Publikum, durchbricht die vierte Wand. Das macht er auch manchmal ganz sanft, wenn er am Ende einer seiner Nummern wieder aus der Figur, die er eben gerade gespielt hat, hinausgeht und mit einem feinen, kleinen Lächeln zeigt, dass er mit dem, was er dem Publikum gerade eben geschenkt hat, durchaus auch selber zufrieden ist.

Die Menschen im ausverkauften «Fauteuil» geniessen es sichtlich. Junge Gesichter hat es allerdings wenige unter den Zuschauerinnen und Zuschauern an diesem Abend. Vermutlich ist den Spätgeborenen diese Art Kabarett zu langsam, zu vorgestrig, zu zahm. Total egal. Die die gekommen sind, ob Fans, die die Texte kennen oder solche, die die Pointen möglicherweise zum ersten Mal hören – wirklich? gibts solche? – fühlen sich bestens unterhalten und spenden Emil am Schluss eine stehende Ovation.

Eine Erziehungsfrage

Es ist schwierig, Höhepunkte zu benennen. Da spielen wohl persönliche Präferenzen mit. Aber «De Gourmet» ist schon alleine wegen der Mimik herausragend. Wie dieser selbstherrliche Angeber da im Restaurant sitzt und sich als Kenner brüstet, ist ganz hinreissend. Diese Nummer hat alles, was Emil Zeit seiner Karriere auszeichnet: Wortwitz, messerscharfe Beobachtungsgabe, schauspielerisches Talent, Humor.

Zeitlos aktuell und gut ist auch «Vater und Sohn». Wie dieser Tölpel von Vater in seinem unanständig grossen Verständnis für seinen Sohn – Hardy! – erzählt, was seine Frau und er alles bereits in Kauf genommen haben, um dem Filius ein behütetes Aufwachsen zu ermöglichen ist brillant. Hardy fährt Motocross im «Stägehuus», hat auf dem Elternbett einen Wankelmotor aufgebaut und vom Flügel ein Bein entfernt, so dass der Vater nun auf der Tastatur immer von unten nach oben spielen muss. Schon ein bisschen mühsam, aber man will ja für den Nachwuchs stets nur das Beste.

PS: Es ist ein seltsames Erlebnis, Emil live auf der Bühne zu sehen und nachher, wieder daheim, den TV einzuschalten und dort in der Sendung «Kulturplatz» von SRF1 gleich wieder auf ihn und Niccel zu stossen, wie sie Eva Wannenmacher noch vor der Premiere der neuen Show Red und Antwort gestanden haben. Wannenmacher? Nicht Wartenweiler? Oder? Alles Emil.

«Alles Emil, oder?», Fauteuil Basel, Beginn 19.30 Uhr, bis 9. Juni (nahezu täglich!) www.fauteuil.ch

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