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Die Zukunft liegt in der Kassette

Der Amerikaner Brian Shimkovitz stellt den Klang Afrikas ins Internet. Nun brachte er ihn auch ans Theater Spektakel.

Wenn man die Augen schliesst, könnte man meinen, man sei in der Wüste Nordafrikas. Zum Klang eines eigentümlichen Saiteninstruments singt eine Männerstimme Melodien, die irgendwo zwischen Klage- und Hirtenlied liegen. «Bringt mir jetzt gleich ein Tuareg einen heissen Tee?», fragt man sich. Doch die Szenerie ist eine ganz andere: Es ist Freitagabend in einem Zelt des Zürcher Theater Spektakels. Knapp zwanzig Personen wagen zu den Klängen, die hier aus den Boxen dringen, ein expressionistisches Tänzchen. Auf der Bühne, neben einem kleinen Turm aus Kassettendecks, steht der amerikanische Musikethnologe Brian Shimkovitz und spielt Musik, die niemand der Anwesenden je zuvor gehört hat. Gesammelt in den Strassen und Shops von Afrika.

Dass hier, zwischen dem Rauschen der Kassetten und den esoterisch geprägten Bewegungen ehemaliger Afrikareisender die Zukunft der Popmusik liegen könnte, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur schwer erahnen. Knapp drei Stunden später, nachdem der DJ aus Brooklyn seine musikalische Exkursion abgeschlossen hat, gelingt das schon eher: In seinem Set tauchen gebrochene Rhythmen auf, inbrünstig gesungene Melodien, kitschige Synthesizer-Einsätze – vieles von einer berückenden Unverbrauchtheit und Eigenheit.

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