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Blitzkritik: Prototyp des modernen Menschen

Thomas Manns Hochstaplergeschichte «Felix Krull» ist Parodie des deutschen Bildungsromans sowie klassischer Schelmenroman. Und die Inszenierung am Schauspielhaus? Hören Sie hier die Audio-Premierenkritik.

Roland Wagner

Beatrice Stoll

Elmar Ledergerber

Mit seinem letzten Roman, 1954 unvollendet erschienen, gelangen Thomas Mann hinreissend amoralische Memoiren eines gerissenen Kriminellen und Fantasten, der die gute Gesellschaft mit Leichtigkeit um den Finger wickelt und sich so seinen Weg nach oben bahnt. Das Buch ist gleichermassen Parodie des deutschen Bildungs- und Entwicklungsromans wie klassischer Schelmenroman. Lars-Ole Walburg, am Schauspielhaus zuletzt mit «Die Panne» und «Zwanzigtausend Seiten» präsent, bearbeitet das Werk für die Bühne.

Felix Krull ist sowohl charmanter Hochstapler als auch versierter Schauspieler, der die Gesellschaft als seine Bühne zu nutzen versteht. Seine Persönlichkeit besteht in einer chamäleonhaften Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit, die bisweilen nicht mehr zwischen Schöpfer und Schöpfung, Künstler und Kunstwerk zu unterscheiden weiss. Indem Felix täuscht, ist er der, der er wirklich ist – und damit vielleicht der Prototyp des modernen Menschen, der sich permanent neu erfindet.

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