Saalmieten: Stadtcasino teilweise teurer als das KKL

Die Casino-Gesellschaft will die Tarife im Basler Konzerthaus nach der Renovation praktisch verdoppeln – unter Umständen über das Niveau des Luzerner Musiktempels hinaus.

Im Stadtcasinos wird die Saalmiete nach der Renovation von 4200 auf 8000 Franken steigen.

Im Stadtcasinos wird die Saalmiete nach der Renovation von 4200 auf 8000 Franken steigen.

(Bild: Stefan Leimer)

Was die Akustik angeht, geniesst das Basler Stadtcasino schon lange einen exzellenten Ruf. Dank der laufenden Renovierungs- und Umbauarbeiten soll künftig auch das Drumherum stimmen: kein Gedränge mehr vor Garderoben und Toiletten, stattdessen freies Flanieren über Wendeltreppen und Foyers, Smalltalk an Apéro-Tischchen, angenehme Luft und natürliches Licht im Musiksaal. Das Stadtcasino werde so vielleicht zum bedeutendsten Konzerthaus der Schweiz, prophezeite unlängst Jacques Herzog, einer der beiden Basler Architekten des 77,5-Millionen-Umbaus (BaZ vom 27. September).

Bis zur Eröffnung im August 2020 dauert es aber noch eine Weile, und bis dahin machen vor allem die Saalmieten von sich reden. Veranstalter wie die Allgemeine Musikgesellschaft (AMG) oder Act Entertainment haben erklärt, dass eine drastische Preiserhöhung oder gar eine Verdoppelung für sie kaum verkraftbar wäre, gewisse Konzerte würden sich dann kaum noch rechnen. Auch der Basler Gesangverein und andere Laienorganisationen müssten über die Bücher (BaZ vom 5. Oktober). Doch die Saalbetreiberin, die Casino-Gesellschaft, zeigt sich von den Klagen wenig beeindruckt: Sie erhöht den Tarif für den Musiksaal von rund 4200 Franken auf neu 8000 Franken pro Abend, Laienmusiker aus der Region erhalten einen Rabatt von 25 Prozent.

Steigende Unterhaltskosten

Die Casino-Gesellschaft ist gemäss Vereinszweck nicht gewinnorientiert, sondern macht steigende Unterhaltskosten für die neue Infrastruktur und die verdoppelte Nutzfläche (Erweiterungsbau, Unterkellerung) geltend. Zudem wird gerne auf das zurzeit bekannteste Konzerthaus der Schweiz verwiesen: Im Luzerner KKL seien die Mieten noch um einiges höher.

Das KKL publiziert seine Tarife nicht, doch diese sind in Orchesterkreisen ein offenes Geheimnis: Ein Konzert im prestigeträchtigen Jean-Nouvel-Bau kostet mit Grundausstattung 15 000 oder mehr Franken.

Das ist tatsächlich ein stattlicher Preis, den allerdings längst nicht alle zahlen. Denn in Luzern gibt es spezielle Nutzungsrechte. Davon profitieren nicht nur Laienvereine, sondern auch eine ganze Reihe von Konzertveranstaltern aus der Region, allen voran das Lucerne Festival und das Luzerner Sinfonieorchester. Sie können sich oft zu stark vergünstigten Konditionen einmieten: Die Miete des Grossen Saals kostet in der Grundausstattung zwischen 6500 und 7000 Franken.

Mehr Komfort für Besucher

Anders gesagt: Professionelle Veranstalter aus der Region werden in Luzern weniger stark zur Kasse gebeten als im Basler Stadtcasino. Kommt hinzu, dass die beiden Konzertsäle nicht gleich gross sind: Der Saal in Luzern fasst knapp 1900 Besucher, während im Basler Musiksaal die Zahl der Plätze im Zug der Renovierung von etwa 1500 auf gut 1300 reduziert wird. Man verspricht sich davon mehr Komfort für Besucher, die sich bisher zwischen den Sitzreihen hindurchquetschen mussten. Anderseits lassen sich nun nicht mehr so viele Billette verkaufen.

Die unterschiedliche Preispolitik hat indes nicht einfach mit der Grosszügigkeit des einen Hauses oder der Knausrigkeit des anderen zu tun, sondern hat einen historischen Hintergrund.

Musiker am Verhandlungstisch

Die Casino-Gesellschaft operiert seit vielen Jahrzehnten relativ eigenständig im Dienst der Kultur. Sie trägt denn auch rund die Hälfte der Baukosten von 77,5 Millionen Franken (die andere Hälfte trägt der Kanton Basel-Stadt). Die Trägerorganisation des 1998 eröffneten KKL ist im Vergleich dazu stärker an die öffentliche Hand gebunden, und Musikschaffende konnten früh Sonderkonditionen aushandeln: Die Stadt gab das Grundstück für das KKL im Baurecht und ohne Zins an eine Stiftung ab, die im Gegenzug heimischen Orchestern und Chören spezielle Nutzungsrechte gewähren sollte. Die Rechte sind auf eine bestimmte Anzahl Konzerte im Jahr – etwa hundert im Grossen Saal – begrenzt. Wer, wann und wie oft im KKL zum Spezialtarif auftreten darf, darüber befindet eine Kommission mit Vertretern der Stadt, der Kulturszene und des KKL. Jegliche Versuche, die Konditionen aufzuweichen – sie sind für das KKL nicht leicht zu tragen –, stossen bei Luzerner Musikern seit 20 Jahren auf erbitterten Widerstand.

Die Basler Casino-Gesellschaft versucht die Kosten unter anderem durch Spenden klein zu halten. So trugen Gönner, Mäzene und andere Sympathisanten rund 33 Millionen Franken zum Umbauprojekt bei. Die Gesellschaft musste entsprechend weniger Fremdkapital aufnehmen, das die Bilanz über Jahre belastet hätte.

Des Weiteren setzt man auf Querfinanzierung mittels Gastronomie- und anderer Betriebe. Auch die Veranstalter werden animiert, die neuen Foyers für Sponsoren- und Gönneranlässe zu nutzen und so die steigenden Saalmieten zu kompensieren. Die Benutzung der Foyers wird allerdings separat in Rechnung gestellt – mit 400 bis 800 Franken pro Etage.

Die neuen Stadtcasino-Tarife sind im Internet abrufbar: www.stadtcasino.ch

Basler Zeitung

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