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Warum Beck den Grammy mehr als verdient hat

Manch einer zog ein langes Gesicht, als ganz überraschend der US-Musiker Beck den Grammy 2015 für das beste Album einheimste. Wir sagen, warum das längst überfällig war – und haben seine besten Songs zusammengestellt.

Introvertierter Indierock-Superstar und neuerdings auch Grammy-Gewinner: Beck.
Introvertierter Indierock-Superstar und neuerdings auch Grammy-Gewinner: Beck.

Er selbst hatte wohl am wenigsten damit gerechnet. Bleichgesichtig stand er da, dieser 44-jährige Junge aus dem sonnigen Kalifornien. Ein bisschen unbeholfen, ein bisschen wie ein «Loser» hielt er die bedeutendste Trophäe des Musikbusiness in den Händen und sprach von seinen Kindern, die ausnahmsweise ein wenig länger aufbleiben durften, weil er, Beck, das Album «Morning Phase» komplett zuhause eingespielt und aufgenommen hatte. Das Album mit Namen «Morning Phase», für das er nun den Preis für das beste Album des Jahres von keinem Geringeren als Prince überreicht bekommen hatte.

20 Jahre sind vergangen, seit Beck zu einer schrägen Folk/Rap-Mixtur seinen Versager-Status «I'm a loser, baby, so why don't you kill me?» besang; es war der Satz, mit dem Beck 1994 zu einem neuen, modernen Typ Songwriter wurde und «Loser» zum Welthit. Nun konnte er ein Comeback feiern. Allerdings wurde die Freude darüber ein wenig getrübt, weil Möchtegern-Künstler Kanye West lautstark verkünden musste, dass nicht Beck, sondern Beyoncé diese Trophäe verdient habe.

Es mag zwar überraschen, dass Beck, Indierock-Superstar, ausgerechnet für dieses Album, das sich mit Akkustikgitarren, perlendem Klavier und seidigen Streichern wunderschön, aber auch sehr ruhig anhört, und das sich im Vergleich mit seinen Vorgängern eher schlecht verkauft hatte, doch verdient ist es allemal: Beck war bereits zweimal für diesen Grammy nominiert, ging aber leer aus.

Tanzbarer Stilmix

Die jetzige Preisvergabe kann also als Anerkennung seiner generellen musikalischen Leistung der letzten zwanzig Jahre interpretiert werden; der Grammy-Ritterschlag war längst überfällig. Denn Becks Beitrag zur Musikgeschichte ist enorm; er gehört wie Prince der Spezies Musiker an, die drauf und dran ist, auszusterben: vielseitig, vielschichtig, konsequent Konventionen missachtend, um neue Horizonte zu schaffen. Seit Beck Musik macht, verbindet er geschickt Elemente aus Rock, Folk, Beatnix und modernem Hip-Hop zu sehr tanzbarer Musik («Devils Haircut», «E-Pro») und wunderschönen Balladen («Lonesome Tears»). Er beeinflusste damit hunderte, wenn nicht tausende Musiker aller Genres, nicht nur aus der Ecke der alternativen Musik. Auch wenn das kaum einer realisiert hat. Kanye West wohl am wenigsten.

Beck inszeniert und produziert sich und seine Person halt nicht à la Kanye, er produziert lieber im stillen Kämmerchen gute Musik. Nach «Morning Phase» schreibt Beck nun übrigens wieder an «Songs mit mehr Energie – man könnte Pop dazu sagen». Diese braucht er, schliesslich ist ab Mai 2015 wieder auf Tour. Und das macht ein Musiker nun mal am liebsten, anstatt sich wie Kanye West an den Fashion Weeks zu präsentieren – mitsamt seiner nervigen Frau Kim Kardashian und seiner Tochter North (19 Monate) im Pelzmäntelchen.

Eine hübsche Anmerkung zum Schluss: Beyoncé's Album hatte 17 Produzenten – Beck hatte für «Morning Phase» einen – sich selbst. Beck spielte alle Instrumente ausser den Streichern selber – für diese war sein Vater David Campbell besorgt. Beck schrieb alle Lyrics – Beyoncé hatte «auto tune». Beyoncé mag zwar eine Künstlerin sein – doch Beck ist ein Musiker, und die Grammys sind dazu da, Preise an Musiker zu verleihen und sie zu feiern – mögen sie noch so unscheinbar sein.

1. Beck: «Devils Haircut»2. Beck: «Modern Guilt»3. Beck: «E-Pro»4. Beck: «Go It Alone»5. Beck: «Lonesome Tears»

Die Songs gibts auf der BaZ-Playliste auf dem Musikportal Spotify – oder direkt in der Soundbox am linken Rand.

Welcher Beck-Song gehört Ihrer Meinung nach noch in die Playlist? Lassen Sie uns Ihre Meinung in der Kommentarspalte wissen.

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