US-Trompetenstar Roy Hargrove verstorben

Er blieb dem Jazz ein Leben lang treu: Der zweimalige Grammy-Gewinner ist 49-jährig in New York City gestorben. Ein Nachruf.

Roy Hargrove während eines Auftritts mit dem Saxophonisten Justin Robinson (links) und dem Bassisten Ameen Saleem (rechts) im The Hamilton in Washington. (6. Juni 2012) Bild: Eva Hambach/AFP

Roy Hargrove während eines Auftritts mit dem Saxophonisten Justin Robinson (links) und dem Bassisten Ameen Saleem (rechts) im The Hamilton in Washington. (6. Juni 2012) Bild: Eva Hambach/AFP

Fünf Minuten und achtundzwanzig Sekunden Musik mögen genügen, um zu verstehen, weshalb Hargrove in den Nullerjahren als einer der hipsten Jazzer überhaupt galt. Man lege den Titel «Hard Groove» von 2003 auf von Hargroves Band RH Factor. Eine Art magischer Funk oder Neo-Soul mit Jazz-Improvisationen ist zu hören. Da ist Hargroves Trompete, vorerst cool gespielt, dann kraftvoll und mit fettem, fleischigem Sound in Höhen steigend.

Eine Musik mit harmonischen Raffinessen ist «Hard Groove» auch – mit viel Raum zwischen den Tönen, atmend, fast wie beim Miles Davis der späten Achtziger, mit dem manche Hargrove verglichen haben. Man versteht, warum die Hargroves groovende Musik damals das Zeug hatte, viele Menschen auch über den engeren Jazzbezirk hinaus zu erreichen.

Dabei hatte Roy Hargrove als lupenreiner Jazzer mit swingendem Post-Bop begonnen. Der 1969 in Texas geborene Musiker war sinnigerweise von Wynton Marsalis entdeckt worden, 1987, und zuerst dessen Musterschüler. Schnell gewann er den Respekt von Jazzerkollegen wie dem Altsaxofonisten Bobby Watson oder dem Tenorsaxofon-Titanen Sonny Rollins, die ihn für Platten holten.

Zunächst ein lupenreiner Jazzer, später stilistisch offen: Roy Hargrove wurde 49 Jahre alt. (6. Juni 2012) Bild: Eva Hambach/AFP

Mit 25 war Hargrove als neuer Trompeten-Jazzstar weltweit an Jazzfestivals unterwegs. Mit vielen Grössen des Jazz wie Joe Henderson, Joshua Redman oder Shirley Horn machte er Aufnahmen.

Für seine keimende stilistische Offenheit stehen dann die Platten mit Neo-Soul-Musikern. Er war dabei auf «Voodoo», dem epochalen Album von D'Angelo von 2000. Im selben Jahr erschien Hargrove auch auf Erykah Badus «Mama's Gun» und auf Commons «Like Water for Chocolate».

Dann, ab 2003, sollte Hargrove sein eigenes Neo-Soul-und-Jazzfunk-Unternehmen RH Factor in Fahrt bringen. Auch den Hiphop mit seinen ganz anderen Produktionsverfahren und Samples verteidigte er: «Etwas Neues entsteht. Doch auf das Neue wird – zu Unrecht – herabgeschaut, denn das Alte möchte nicht verdrängt werden.» (Interview mit dem «Spiegel», 2006)

Roy Hargrove während einem Konzert in der Prager Burg. (10. April 2012) Bild: Michal Cizek/AFP

Doch immer, bis auch in die jüngere Zeit hinein, die Hargrove auch wegen Drogenprobleme ins Gespräch brachte, hielt der Trompeter und zweimalige Grammy-Gewinner seine Verbindung zur Mainstream-Jazztradition aufrecht.

Er sah seine Ausflüge in den Neo-Soul und Funk nie als Abschied vom Jazz, vielmehr als Erweiterung seines Spektrums. «Wir Musiker müssen wissen, woher wir kommen, damit wir weitergehen können», sagte er.

Roy Hargrove wurde 49 Jahre alt. Er starb nach Angaben seines langjährigen Managers am Freitagabend an einem Herzversagen in New York City.

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