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Tarataratataaa

In unserer Serie «Lässige Sünden» beichten Redaktion Tamedia-Journalisten heimliche Vorlieben. Heute: Der Sechseläutenmarsch.

«Ta-ta-taaa, tarataratataaa» – Das ist mir jetzt tatsächlich ein wenig peinlich, aber ich habe eine heimliche Liebe für den «Sechseläutenmarsch», dieses satte, aber doch ziemlich simple Stück Blechmusik, das jedes Frühjahr durch die Strassen von Zürich schallt und sich dabei mehrfach in sein kräftiges «Tarataratataaa» erschöpft. Peinlich ist mir das nicht zuletzt deshalb, weil mir zum «Sechseläutenmarsch» an sich so wenig Nettes einfällt. Sicher nicht so viel wie Robert Walser, der mal über den «Berner Marsch» schrieb und sich dabei sehr elegant aus der Affäre zog. Denn gemäss Walser verspreche der «Berner Marsch» an sich «dem Ohr nicht viel, aber er hält, was er verspricht». Das sei «immerhin etwas», meint Walser, «und dann gebärdet er sich drollig, das finde ich anständig». Wenn man mein blechernes Stück Lieblingsmusik am «Berner Marsch» mit seinem fast schon raffinierten «Trädiridii» bemisst, dann muss man leider sagen, dass der Zürcher «Sechseläutenmarsch» dem Ohr eigentlich rein gar nichts verspricht – und sich mit seinem pompösen «Tarataratataaa» zudem auch alles andere als drollig verhält. Aber das alles ändert nichts daran, dass ausgerechnet dieser Marsch mein privates Lied der Freiheit ist, ja, der «Sechseläutenmarsch» ist meine «Marseillaise», meine «Internationale», mein «El pueblo unido». Und das hat naturgemäss damit zu tun, dass ich aufgrund einer nebulösen Fügung in eine Sippe hineingeboren wurde, in der das Sechseläuten zum Jahreskalender gehört wie bei anderen Familien die Fastnacht. Zumindest in meiner Kindheit, wobei in meinem engsten Familienkreis schon damals die Meinungen sehr stark auseinandergingen, ob das Sechseläuten nun eine besonders bewahrenswerte Tradition darstellt oder eher als alberne «Kapitalistenfastnacht» abzutun sei. Sinn- und Sorgenlosigkeit

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