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Sein Sound war individuelle Knorrigkeit

Der amerikanische Saxofonist Arthur Blythe ist nach langer Parkinson-Krankheit gestorben.

Diese hohen schreienden Töne!: Arthur Blythe spielt 1981 am Montreux Jazz Festival.
Diese hohen schreienden Töne!: Arthur Blythe spielt 1981 am Montreux Jazz Festival.
Keystone

Seinen Saxofon-Sound vergisst man nie mehr, hat man ihn nur ein einziges Mal gehört: Durchdringend wie die Sirene eines New Yorker Feuerwehrautos, versehen mit einem unüberbietbar breiten Vibrato. Der amerikanische Altsaxofonist Arthur Blythe war in den Achtzigern immer wieder auch in der Schweiz zu Gast etwa beim Montreux Jazz Festival. Und man hätte es sich damals in Europa gar nicht leisten können, diese Saxofonstimme eines Jazz-Charakterkopfes zu ignorieren. 1979 war jenes Album herausgekommen, das noch heute als Blythes klassischstes Album gilt: «Lenox Avenue Breakdown». In den Linernotes schrieb ein gewisser Stanley Crouch – alsbald Jazz-Chefideologe von Wynton Marsalis –, Altsaxofonist «Black Arthur» sei der «eindrücklichste Vertreter seines Instruments» in diesen Tagen. Blythe war damals bereits beim Plattenmulti Columbia unter Vertrag. Und sein Ruhm mehrte sich weltweit.

Diese hohen schreienden Töne!

Das Plattencover von «Lenox Avenue Breakdown» rückte ins Licht, was der 1940 geborene Arthur Blythe vorhatte mit seinem Altsaxofon: Eine Illustration zeigt die berühmte Lenox Avenue im schwarzen New Yorker Stadtteil Harlem, typische Flachdachhäuser aus rotbraunen Backsteinen. Ein vierstöckiges Eckhaus an der Kreuzung aber fehlt – da steht stattdessen ein Gulliver-grosses Altsaxofon mit gewaltigem Sound-Trichter.

Das Titelstück «Lenox Avenue Breakdown».

Es gäbe keine schönere Metapher für den kraftvollen Klang von Arthur Blythe. Ein Sound von ganz individueller Knorrigkeit. Man höre auf «Lenox Avenue Breakdown» das gleichnamige Titelstück: Eine verschachtelte Melodie im Unisono mehrerer Instrumente, unterfüttert von kräftigen Grooves von Drummer Jack DeJohnette, von Free-funk-artigen Schreddersounds von James Blood Ulmer. Und dann das Blythe-Solo: Diese hohen schreienden Töne! Diese Energie! Kampf aller Bleichheit! Wo man sich metaphorisch in Harlem befindet, glaubt man auch ein Musterbeispiel dessen zu finden, was «Great Black Music» heisst: In der Verbindung afroamerikanischer Traditionsbezogenheit und neutönerischer Free-Jazz-Expressivität glich Blythe anderen schwarzen Spielern damals wie den Tenoristen George Adams oder Dave Murray.

Wild, scharf – und schwarz

Nur hatte er mehr Humor! «Da-Da» heisst ein späteres Album von ihm. Es zeigt auf der Hülle ein Kleinkind mit Saxofon. Immer hatte Blythe auch einen spielerischen Zugang zu seinem Instrument. Blies mit einem Prischen Klamauk und einer clownesken Leichtigkeit.

Und dem dienten auch die hochoriginellen Instrumentierungen seiner Bands zu. Einer seiner treuesten Weggefährten war so der saftwurzlige Tuba-Spieler Bob Stewart, er brachte ein Brass-Band-Flair und etwas Musikantisches in Blythes Musik. Oft da dabei auch der Cello-Spieler Abdul Wadud. Und so war der Bandsound Blythes gleichermassen niegehört wie sein monumentales Vibrato: Wild, scharf – und schwarz. Jetzt ist Arthur Blythe am 27. März verstorben nach langer Parkinson-Krankheit.

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