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Schweizer Jazzpianist in New York

Der bald 30-jährige St. Galler Pianist Claude Diallo hat geschafft, wovon andere nur träumen: Er verdient seinen Lebensunterhalt als Jazzmusiker in New York.

Ab Ende Mai spielt er – solo oder zusammen mit seinem Trio – an verschiedenen Orten in der Schweiz. Claude Diallo war zwölf, als ihn die klassische Musik zu langweilen begann. Ob man auf dem Klavier auch etwas anderes spielen könne, fragte er die Lehrerin. Sie gab ihm ein Lernheft des Jazzpianisten Oscar Peterson.

Schon die ersten Stücke aus «Jazz Exercises for the Young Pianist» reichten, um aus dem jungen St. Galler einen glühenden Verehrer dieser Stilrichtung zu machen. Diese Akkorde, diese Klangfarben – sie waren ganz anders als bei Bach und Mozart.

Studium in New York

Die Liebe zum Jazz war bald so gross, dass sich Diallo keine andere Karriere ausser Jazzpianist vorstellen konnte. Am liebsten in New York, der Stadt, in der seine musikalischen Helden Herbie Hancock und Brad Mehldau lebten.

Mit 23 kam Diallo dank eines Teilstipendiums am Berklee College of Music in Boston seiner Traumstadt erstmals ein grosses Stück näher. 2007 führte ihn dann das Masterstudium an der Aaron Copeland University nach New York.

Da sich Diallo mit einem Studentenvisum in den USA aufhielt, war es ihm bis zum Abschluss seines Studiums im Januar 2009 verboten, in den Staaten einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Was auch hiess: keine Auftritte ausserhalb des Schulgeländes.

Gespräch mit Manager

Diallo machte aus der Not eine Tugend: Er hatte herausgefunden, dass die New Yorker Jazzclubs beim Buchen ihrer Künstler anders vorgehen als die Organisatoren in der Schweiz. Wer in dieser Metropole in einem Club auftreten will, bewirbt sich nicht mit einer CD. Er kommt als Gast vorbei und trinkt erst mal ein Bier.

Dann kommt er ein zweites Mal und sucht das Gespräch mit dem Clubmanager. Diallo hat deshalb während seiner freien Zeit in New York die Namen der Manager sämtlicher 186 Jazzclubs sowie deren Buchungsrhythmen recherchiert.

Die Fleissarbeit sollte sich auszahlen. Nur einen Monat nach Abschluss seines Studiums hatte Diallo seinen ersten Auftritt in New York, im April war er bereits 16-mal engagiert.

Bescheidenes Gehalt

Das Gehalt bei solchen Auftritten ist bescheiden. Oft erhält ein Musiker pro Abend knapp 100 Dollar. Dazu kommt das Trinkgeld des Publikums; dieses ist zwar meist spendabel, aber nicht gerade ruhig. New Yorker neigen dazu, ihre Gespräche während der Konzerte hemmungslos weiterzuführen.

Diese Herabstufung zum Hintergrundmusikanten ist für Diallo noch immer nicht leicht zu akzeptieren. In der Schweiz hört ihm das Publikum jeweils aufmerksam zu. Dennoch kann sich Diallo bis auf weiteres keine Rückkehr vorstellen. Eher einen Umzug nach Asien. Letztes Jahr tourte er mit seinem Trio Claude Diallo Situation erstmals durch den Kontinent – das Publikum war mucksmäuschenstill.

SDA/phz

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