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Fans stehen Schlange für das vielleicht letzte Stones-Konzert

Vor dem Konzert der Rolling Stones im Letzigrund feilschen Fans um die letzten Tickets und erzählen von legendären Auftritten der Band.

«Eine bewährte Band für die ältere Generation». (Video: Rafaela Roth/Tamedia)

Kreischende Teenies sucht man am Mittwochnachmittag vor dem Letzigrund-Stadion vergeblich. Die Fan-Generation der Rolling Stones trägt graumelierte Haare, regenabweisende Funktionsjacken und gemütliche Bäuche mit Zungen darauf – dicke rote Zungen, die aus dicken roten Lippen hängen. Das Markenzeichen der Rocker, die an diesem Abend 48’000 Fans begeistern werden.

Herr Alder ist schon um 15 Uhr vor dem Stadion und feilscht mit einem korpulenten Deutschen um Tickets. «Stehplätze, 150 Stutz» – «Ok, gib her, heute will ich nichts riskieren», sagt Alder, spart immerhin 14 Franken. Normalerweise wartet der 65-Jährige bis ganz kurz vor den Konzerten mit dem Ticketkauf, wenn die Preise ins Bodenlose fallen. Heute ist alles anders: «Es könnte das letzte Konzert der Stones in der Schweiz sein», sagt Alder, flüstert beinahe. Der Ticketverkäufer pflichtet bei: «Die sind richtig erschöpft nach den Konzerten, man sieht es ihnen an», sagt er. Sein grauer Schnauz wippt mit. «Wann war dein erstes Konzert?», ruft der dann einem Holländer, der mit seiner Tochter vorbeieilt. «1982!», schreit der zurück, von Kopf bis Fuss mit Zungen übersäht. «1966!» ruft der Ticketverkäufer zufrieden. Gewonnen.

Herr Alder hat inzwischen seine Begleitung gefunden. Es ist sein erster Freund von damals, als er vor 35 Jahren nach Zürich kam. Die Frau habe nicht zum Konzert mitkommen wollen, sagt der gebürtige Appenzeller. Sei was für alte Pappelis, habe sie gesagt.

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Weiter vorne beginnt ein Zürcher mit schneeweisen Haaren und Lederjacke vom legendären Konzert 1967 im Hallenstadion zu erzählen. Es sollte zum Symbol der Zürcher Jugendkrawalle werden. Stühle und Stehwände flogen durch die Luft: «Das Konzert war schön, aber auch beängstigend», erzählt er. «Ich war erst 14 Jahre alt. Als die Schlägereien anfingen, schlichen wir uns davon.» Den Stones ist er die nächsten 50 Jahre trotzdem treu geblieben. «Sie packen einem, wie die erste grosse Liebe», sagt er und munkelt wie viele andere: «Doch dieses Konzert könnte das letzte sein.»

Plötzlich drängt ein Security die Schlange nach hinten. Er schafft Platz für die Taschenkontrolleure: Keine Getränke, keine Esswaren und keine Taschen grösser als A5-Format sind im Stadion erlaubt. Die Stones-Fans nehmen es gelassen. «Der hat einen Scheiss-Job», grummeln sie und rutschen gemächlich nach hinten. Und dann gibt es doch noch Hektik. Ganz vorne steigt ein Mitfünfziger – schwarze lange Haare, bleiche Haut, rote Lippen, seit Stunden hier – hastig über den Absperrzaun. Der Fan hat bemerkt, dass seine Tasche zu gross ist. In heller Aufregung rennt er zu den Schliessfächern. «Schaatz», kreischt er bei seiner Rückkehr, keucht, hechtet über den Zaun, seiner Frau in die Arme. Minuten später öffnet sich der Eingang zum vielleicht letzten Konzert der Rolling Stones.

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