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Kutti MC schwimmt sich frei

Poesie ist etwas für wenige, Rap gefällt sich als Gegenkultur: Von beidem verabschiedet sich Jürg Halter alias Kutti MC auf seinem neuen Album - mit Hilfe von Stephan Eicher.

Kein Sturm im Wasserglas: Kutti MC erkundet die Untiefen massentauglicher Popmusik.
Kein Sturm im Wasserglas: Kutti MC erkundet die Untiefen massentauglicher Popmusik.

Ein Mann geht eine Strasse entlang. Kurz bleibt er stehen, blickt in die Pfütze vor sich. Er lächelt in sein Spiegelbild und beginnt zu träumen. Was wäre, wenn hier nicht eine Pfütze, sondern das Meer vor ihm liegen würde, denkt er sich – dann taucht er ein und schwimmt los. «I ha gmeint, dass i di bruche / so wie d’Luft zum Schnuufe. / Doch itz touchi unger Wasser/ merke wie mir Kieme wachse», haucht Kutti MC in «Freischwimmer», dem Herzstück des gleichnamigen Albums. Im Hintergrund brodelt die Gitarre, dumpf pocht das Schlagzeug. Fast gebetsartig wiederholt Kutti MC die Zeilen, als ob er das schale Gefühl, das die neu gewonnene Freiheit mit sich bringt, einfach wegpredigen möchte. Monoton schleppt sich die Stimme voran, leidend und doch unterschwellig wütend. Da singt einer, der sich freistrampeln will, der einer erschütterten Liebe davonschwimmt – und es trotzdem nicht schafft, den Schmerz und die Melancholie hinter sich zu lassen.

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