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Im Galopp durch die Schicksalssinfonie

Das Sinfonieorchester Basel beschloss seine Konzertsaison im Musical-Theater.

Christian Lindberg bietet in seinem originellen Multikultiopus sämtliche Effekte auf. Dies ist bei einem modernen Trompetenkonzert aber auch keine Überraschung.
Christian Lindberg bietet in seinem originellen Multikultiopus sämtliche Effekte auf. Dies ist bei einem modernen Trompetenkonzert aber auch keine Überraschung.
Keystone

«Carmens Spiel» hiess das ­Motto des Abschlusskonzerts, welches das Sinfonieorchester Basel im Musical-Theater gab und das über 800 Hörerinnen und Hörer anzog. Ihnen wurden einige Überraschungen geboten.

Zuerst das Fehlen jeglichen Bezugs zu Bizets «Carmen» – denn die Akkordeonistin, die ein entsprechendes Stück spielen sollte, war gerade Mutter geworden und konnte daher nicht auftreten. An ihrer Stelle hörte man den venezolanischen Trompeter Pacho Flores, der Haydns Es-Dur-Konzert und das Stück «Akbank Bunka» von Christian Lindberg spielte, beides technisch brillant und sehr, sehr laut.

Modernes Trompetenkonzert

Dass der Schwede Lindberg in seinem originellen Multikulti­opus sämtliche Effekte von der Klangflächenkomposition über neoklassizistische Tanzrhythmen bis zu schmetternden Trompetensoli aufbietet, war keine wirkliche Über­raschung, denn was soll ein ­modernes Trompetenkonzert anderes ­bieten?

Unerwartet war indes, dass Flores mit einem Kontrabassisten vom Orchester und dem seit 42 Jahren im Orchester dienenden einstigen Solotrompeter Marc Ullrich eine Jazzeinlage gab, die sich wahrhaft gewaschen hatte. Da drang ein Hauch von Jazzkeller-Spontaneität ins starre Ritual eines Sinfoniekonzerts. Dem Publikum gefiels.

Wie ein Feldherr

Hauptwerk des Abends war dann aber doch die fünfte Sinfonie in e-Moll von Peter Tschaikowsky mit dem tragischen «Schicksalsthema». Das Tragische stand in der Wiedergabe unter Michal Nesterowicz – seines Zeichens erster Gastdirigent des Orchesters – allerdings nicht im Zentrum. Eher legte es der Dirigent mit dem glänzend präparierten Orchester auf einen zügigen Ablauf an, der einen je nach Veranlagung in Bann zog oder eher gleichgültig liess. Wie ein Feldherr stand er vor dem Orchester und lenkte es durch eine straffe, temporeiche Aufführung.

Auswendig dirigierend, zog der polnische Dirigent den Kopfsatz sachlich, ohne emotionale Drücker und Verzögerungen hin, glattpoliert und elegant kam das Andante cantabile über die Rampe, im gestreckten Galopp absolvierte man das Finale. Für grosses Gefühlskino war kein Platz respektive keine Zeit. Eine, wie man so sagt, moderne Interpretation, gekonnt und gefühlskalt. Das war die letzte Überraschung des Abschlusskonzerts: Tschaikowsky kann auch richtig sportlich klingen.

Zu bewundern waren die aparten Soli von Horn, Oboe und Klarinette. Das Orchester, das sich trotz kleinen Patzern keine Blösse gab, darf sich ruhig in die Sommerferien verabschieden.

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