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«Ich hatte den Job unterschätzt»

Vor zehn Jahren stieg Patrick Kaiser ins Musikgeschäft ein – der Basler Blues-Veranstalter blickt auf eine bewegte Zeit zurück.

Patrick Kaisers Groove Now geniesst Gastrecht im «Atlantis». Foto: Kostas Maros
Patrick Kaisers Groove Now geniesst Gastrecht im «Atlantis». Foto: Kostas Maros

Patrick Kaiser, was war Ihre grösste persönliche Herausforderung, als Sie 2010 Ihre ersten Konzerte veranstalteten?

Wichtig war vor allem, eine klare Vision zu verfolgen und nur Künstler zu buchen, von denen ich selbst überzeugt war. Dass unsere Agentur Groove Now ihren Künstlern immer die höchste Wertschätzung entgegenbringt, hat sich längst in der amerikanischen Blues-Community herumgesprochen. Heute wollen alle bei uns spielen. Wir buchen aber weiterhin immer nur die Künstler, die wir für die besten und spannendsten in dieser Szene halten. In all den Jahren habe ich nur gerade drei Konzerte veranstaltet, von denen ich selbst nicht sonderlich begeistert war.

Inzwischen sind Sie bestens vernetzt und arbeiten mit Agenten in der ganzen Welt zusammen. Hat Groove Now manchen amerikanischen Künstlern und Künstlerinnen den Weg über den Atlantik gebahnt?

Bevor wir Victor Wainwright, Albert Castiglia oder Chris O’Leary nach Basel brachten, waren diese Musiker in Europa weitgehend unbekannt. Ich würde aber nicht behaupten, dass wir für sie ein Tor zu Europa geöffnet hätten. Amerikanische Musiker sind sehr wohl daran interessiert, in Europa aufzutreten, weil sie hier ein aufmerksames und aufgeschlossenes Konzertpublikum vorfinden. In den USA treten Blues-Musiker oft in Bars auf, wo während ihrer Konzerte Sportveranstaltungen über die Fernsehbildschirme flimmern.

Die Schweiz hat bekanntlich eine florierende Konzertszene mit vielen Blues-Festivals. War es schwierig für Sie, Ihren Platz in diesem umkämpften Umfeld zu finden?

Ich kenne die anderen Schweizer Blues-Veranstalter und lade sie auch immer wieder an unsere Konzerte ein. Aber eine konkrete Zusammenarbeit gibt es nicht. Weil wir unterschiedliche Konzepte haben, kommt es zwischen uns aber nicht zu Platzkämpfen. Da ich unser Programm immer zwei Jahre im Voraus bestimme, sind wir quasi ein First Mover. Aber selbstverständlich nehme ich Rücksicht auf die Konzerte von Offbeat, dem Blues-Festival sowie der Baloise Session in Basel.

Was waren für Sie die grössten Überraschungen, als Sie Groove Now 2010 unter dem alten Namen Blues Now lancierten?

Ich hatte den grossen Einsatz völlig unterschätzt, den der Job des Konzertveranstalters einem abverlangt. Im ersten Jahr habe ich zusätzlich zu meiner Stelle bei Bayer etwa 800 Arbeitsstunden in Blues Now gesteckt. Heute nehmen unser Sekretariat und der Vorstand mir viele Aufgaben ab. Trotzdem komme ich auch jetzt noch auf 400 Arbeitsstunden im Jahr. Überrascht hat mich übrigens auch, wie einfach es ist, mit Musikern und Agenten in Kontakt zu treten.

Seit 2010 haben Sie dauerhafte Beziehungen zu vielen Künstlern aufbauen können. Mike Zito, Rick Estrin, Albert Castiglia oder Sugaray Rayford sind bei Groove Now Dauergäste und auch persönliche Freunde.

Dank Freundschaften wie diesen ist es uns 2019/2020 gelungen, unter dem Banner Stars & Friends besondere Projekte zu realisieren, die es nach der Jubiläumssaison wohl nie wieder geben wird. Auch halten uns manche Musiker die Treue, weil sie bei uns Personen mit grossem Fachwissen und höchster Professionalität vorfinden, die sie bestens bewirten und in 4-Sterne-Hotels unterbringen.

Wie lange dauerte es, bis das Basler Publikum Blues Now als Brand akzeptiert hatte?

Dank guter Mund-Propaganda hat sich Blues Now erstaunlich schnell als Qualitätsmarke durchgesetzt. Heute kommen die Leute auch dann an unsere Konzerte, wenn sie einen Künstler nicht kennen – und sind danach immer begeistert. Bei der letzten Saison 2018/2019 kamen 23 Prozent mehr zahlende Zuschauer und Zuschauerinnen als in der Vorjahresperiode: Das beweist, dass wir etwas richtig machen.

In der Region Basel gibt es von Jahr zu Jahr mehr Konzerte und mehr Veranstalter. Selbst das Atlantis, wo Groove Now heute daheim ist, hat eine eigene Blues-Reihe ins Leben gerufen …

Ich empfinde diese Entwicklung als sehr befruchtend. Je mehr Konzerte in Basel stattfinden, desto mehr bleibt die Live-Musik im Gespräch. Eher kontraproduktiv ist hingegen die Gratiskultur. Wenn für Konzerte nicht mehr bezahlt wird, verliert diese Kultur ihren gesellschaftlichen Stellenwert. Das ist eine besonders für die Künstler gefährliche Tendenz, die in den USA bereits sehr ausgeprägt ist.

Groove Now ist, Sie haben es gerade angedeutet, ein Verein. Haben Sie vor, diese Geschäftsform zu ändern?

Wir sind ein Non-Profit-Verein, der zu 75 Prozent von Sponsoren und Gönnern finanziert wird: Ohne die Basellandschaftliche Kantonalbank, das Merian-Iselin-Spital, das Hotel Hyperion, den Swisslos-Fonds sowie zahlreiche Gönner gäbe es uns gar nicht. Wollten wir mit unseren Konzerten Geld verdienen, müssten wir Groove Now ganz anders aufstellen und Künstler buchen, zu denen ich nicht stehen kann. Das will ich nicht.

Welche Künstler stehen noch auf Ihrer persönlichen Wunschliste?

Jimmie Vaughan, der Bruder des grossen Stevie Ray Vaughan, hatten wir bis jetzt nicht. Wahrscheinlich müsste ich selbst nach Austin reisen und ihn beknien, damit er nach Basel kommt. Ronnie Earl ist sehr krank und tritt, wenn überhaupt noch, nur in den USA auf. Und Delbert McClinton hätte ich auch sehr gerne einmal bei uns.

Die Albert Castiglia All-Stars live: Atlantis, Basel. Klosterberg 13. Fr & Sa 21. & 22. Februar, 20.30 Uhr. www.groovenow.ch

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