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Gegen Hohlers Wortgewalt kommen die Jungstars nicht an

Lo & Leduc versuchen sich in einem Wortbeitrag an Franz Hohlers «Totemügerli» anzulehnen. Keine allzu gute Idee.

Ihnen gelingt viel, aber nicht alles: Lo & Leduc am Gutenfestival 2017. Foto: Anthony Aney (Keystone)
Ihnen gelingt viel, aber nicht alles: Lo & Leduc am Gutenfestival 2017. Foto: Anthony Aney (Keystone)

Es gibt zwei Dinge, die drohen langsam, aber sicher furchtbar aus der Mode zu geraten: Das eine ist die Kritik an der Sprache der Jungen. Das andere ist das Nörgeln über den technischen Fortschritt im Kommunikations- und Fernmeldebereich. Doch wer gedacht hat, dass zu diesen beiden Themenbereichen langsam genug altväterliche und kulturpessimistische Lieder und Stand-up-Gaudibeiträge verfasst worden sind, hat sich geirrt.

Denn nun kommen die eigentlich noch ziemlich jungen Berner Rapper Lo & Leduc um die Ecke und bauen sich aus genau diesen beiden Ingredienzen eine Geschichte zusammen, die sie in Anlehnung an Franz Hohlers «Totemügerli» «Totemägerli» nennen. Die Netzgemeinde ist amüsiert, es gibt Stimmen, die behaupten, dass hier ein Schweizer Kulturgut ins Heute übersetzt worden ist. Totemügerli 2.0, sozusagen.

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Das Original: Franz Hohlers «Ds Totemügerli», eine Verneigung vor dem Reichtum des Berndeutschen. Quelle: Youtube

Um die Falschheit dieser Behauptung zu unterstreichen, muss ein wenig ausgeholt werden. 1967 tauchte im Kabarettprogramm von Franz Hohler eine Geschichte auf, die weitgehend in einer Fantasiesprache vorgetragen wurde, und doch jedem das Blut in den Adern zu gefrieren vermochte. «Ds Totemügerli (es bärndütsches Gschichtli)» war eine Verbeugung vor dem Reichtum der berndeutschen Sprache – und ein Hadern mit der Unverständlichkeit derselben. Hohler hat in diesem post-dadaistischen Erzählungsschwall wunderbarste Wörter zusammenfantasiert wie «agschnäggelet» oder «abschöberle» – Wörter, die später gar in den aktiven Wortschatz der Berner übergegangen sind.

Lo & Leduc dahingegen verleihen ihrem Staunen über die Sprache der Netz- und Handy-Generation Ausdruck, mit all ihren Anglizismen, Codes und Hashtags. Sie verdichten dies zu einem fünfminütigen Geschichtchen über eine gewisse Sunqueen94, die «vor luuter Hunger nach Ufmerksamkeit» aufgehört hat zu essen und irgendwann in der «Cloud» landet. Immerhin: Die Ausführung ist besser als die Idee – und in der Einschätzung «du fragsch nümm Gott, ob ers weiss – sondern Google für advice» schlummert sogar ein Stück Tatsächlichkeit. Doch gegen die Wortgewalt des Franz Hohler wirken die beiden Berner dann doch bloss wie zwöi gripseti Mischtschwibeli. Ein netter Versuch – aber dann doch bestenfalls e botterepfloorigi Schtrüpfete.

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