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«Fiebrige Musik»

Das Lied «Baby, it’s cold outside» ist in einigen nordamerikanischen Radios auf dem Index gelandet. Es sei sexistisch und rufe zur Vergewaltigung auf.

Hollywood-Komponist Frank Loesser schrieb das Lied «Baby, it’s cold outside» für eine Hauseinweihungsparty, und er trug es im Duett mit seiner Frau Lynn 1944 erstmals den Freunden vor. In der Folge wurde das Gesangstück ein amerikanischer Klassiker, gesendet an allen Weihnachten. 1950 gewann es einen Oscar für den besten Song im Film «Neptune’s Daughter», und von Dean Martin über Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Dolly Parton, Willy Nelson, Sheryl Crow, Rod Stewart, Nora Jones bis Lady Gaga, gab es in den letzten siebzig Jahren kaum einen renommierten Interpreten, der Loessers leichtfüssige Vokalminiatur nicht ins Repertoire aufgenommen hätte.

In der aktuellen Adventszeit allerdings setzte plötzlich eine Reihe amerikanischer und kanadischer Radiostationen Loessers beliebten Weihnachtsklassiker auf den Index. Als enttäuschte Hörer nach dem Grund fragten, wurde sie belehrt, dass der Song in Zeiten von MeToo zu sexistisch sei. Er sei heute nicht mehr spielbar. Schon länger störten sich linksfeministische Kreise am Song. «Baby, it’s cold outside» sei in Wirklichkeit ein «date rape holiday classic», schimpfte beispielsweise The Daily Beast. Und um was geht es im knapp zweiminütigen Liedchen?

Spiel der Verführung

Ein Mann versucht eine Frau zu überreden, dass sie über Nacht bei ihm bleibt. «Liebling, es ist kalt draussen.» Er schmeichelt, sie wehrt ab, er hofiert, sie ziert sich lächelnd. Es ist eine charmante Ode an das Spiel der Verführung. Wer hier eine Aufforderung zum date rape, zu einer Vergewaltigung erblickt und nach Zensur ruft, leidet an einer ideologischen Hornhautverkrümmung. Und gleicht nicht zufällig jenem Ägypter, der vor siebzig Jahren an eine Tanzveranstaltung in einer Kleinstadt in Colorado eingeladen worden war. Man habe das Licht gedämpft, erinnerte dieser sich später, und das Lied «Baby, it’s cold outside», diese «fiebrige Musik» abgespielt. «Tanzende nackte Beine füllten die Halle, Arme umfassten Hüften, Brust berührte Brust, Lippen trafen sich.»

Der Ägypter, er hiess Sayyid Qutb, war erschüttert über das schamlose und animalische Treiben. Zurück in Ägypten wurde er der wichtigste Theoretiker der totalitären Muslimbruderschaft, die Matrix aller heutigen islamischen Terrorgruppen. Auch in deren Kalifat hätte Loessers Lied keine Chance.

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