Er war in Montreux und im Gelterkinder Marabu zu Hause

Mit dem Tod von Howard Joseph, besser bekannt als «Mr. Blue» hat ein ganz Grosser die Bühne verlassen. Das in den USA geborene Blues-Urgestein hinterlässt eine Lücke.

Wie die meisten schwarzen Blueser wurde auch Mr. Blue in den USA geboren.

Wie die meisten schwarzen Blueser wurde auch Mr. Blue in den USA geboren.

(Bild: www.mrblue.ch)

Thomas Gubler

Am vergangenen Samstag, dem Tag nach dem Basler «Summerblues», war die Todesanzeige in der Zeitung: Howard Joseph, besser bekannt als «Mr. Blue», Sänger und Bandleader von Mr. Blue & The Tight Groove, ist gestorben. Der Mann, der stets im Anzug, mit Krawatte, Hut und ­Sonnenbrille die Bühne betrat, erfreute das Publikum mit seiner unverkennbaren, rauen Stimme und seinem funkigen Blues – am Montreux Jazz Festival ebenso wie im Marabu von Gelterkinden. Mr. Blue war ein Begriff und ein Gütezeichen gleichermassen.

Wie die meisten schwarzen Blueser wurde auch Mr. Blue in den USA geboren. Sein Alter und sein Jahrgang waren nie ein Thema. In den 60er- und 70er-Jahren spielte er in London mit so berühmten ­schwarzen Blues- und Soulgrössen wie Sam and Dave und Wilson Pickett. Und nicht wenige sahen in ihm schon den Nachfolger des mit dem Flugzeug abgestürzten Otis Redding.

Basel als neue Heimat

Es kam anders. Irgendwann tauchte Mr. Blue in Basel auf, wo er im damaligen Atlantis mit seiner «Blue Rivers Band» auftrat. Basel wurde zu seiner neuen Heimat, und seit 1992 war er unterwegs mit The Tight Groove und dem Gitarristen René Hemmig. Zu ihrem Repertoire ­gehörten Blues-Klassiker ebenso wie ­funkige Eigenkompositionen.

Mr. Blue hinterlässt eine Lücke. Er war ein Blues-Urgestein, wie es nicht mehr viele davon gibt. Muddy Waters und John Lee Hooker sind längst «gegangen», B. B. King vor vier Jahren. Und den 83-jährigen Buddy Guy zieht es nicht mehr so nach Europa.

Dass der Blues aber mit seinen grossen Interpreten stirbt, wie Pessimisten befürchten, darauf deutet nichts hin. Die Erfolge von Veranstaltungen wie dem Basler Sunmmerblues und Louis van der Haegens Bluesfestival, aber auch von Künstlern wie Philipp Fankhauser sprechen dagegen. Und wer ausschliesslich auf die alten Blueser steht, der kann sich auf John Mayall diesen Herbst im Prattler Z7 freuen. Der ist zwar nicht schwarz, dafür aber 86 Jahre alt.

Basler Zeitung

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