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Ein Besuch in ­Basels edelstem Partykeller

Am Samstag ­präsentierte sich der ­Kunstmuseum-Neubau als Konzert- und Partylokal. Ein gelungener Einstieg.

Die Tore des Kellers des Neubaus des Kunstmuseums Basel wurden zum ersten Mal für eine Party geöffnet.
Die Tore des Kellers des Neubaus des Kunstmuseums Basel wurden zum ersten Mal für eine Party geöffnet.
Dominik Plüss

Am Art-Wochenende leistete sich das Kunstmuseum eine kleine Premiere. Zum ersten Mal überhaupt öffnete es seinen Neubau für eine Party. Die Raumaufteilung eignete sich dafür bestens. Während die VIPs gleich nach dem Eingang ins Parterre gelotst wurden, fand sich das vorwiegend junge Publikum im 1. UG ein. Dort konnte es sich gut auf Barbereich und Partyfläche verteilen, für eine Raucherecke war auch noch Platz.

Als Headliner hatte die im Auftrag des Kunstmuseums organisierende Agentur Planisphere eine Grösse der elektronischen Popmusik verpflichtet: Unter seinem Künstlernamen Flying Lotus hat sich Steven Ellison längst als Eklektiker an der Schwelle zwischen Hip-Hop und Jazz etabliert. Der Mut zur Innovation wurde dem 1983 geborenen Kalifornier früh eingeimpft. Seine Tante und Mentorin war nämlich die Harfenistin und Mystikerin Alice Coltrane, bis zu dessen Tod 1967 die Weggefährtin und Muse des grossen Jazzsaxofonisten John Coltrane.

Pseudonym Flying Lotus

Seine ersten Erfahrungen als professioneller Musiker machte Ellison bei einem Trickfilmsender, aus dieser Zeit stammt auch sein Pseudonym Flying Lotus. Bis heute klingt Ellisons Musik fragmentarisch und grell. Schlep­pend und stolpernd waren die Beats, die Ellison nach Mitternacht von seinem Laptop abrief, wild zusammengewürfelt wirkten seine vielen Samples.

Schon früh im Set hörte man Soundtrack-Fragmente und bulgarische Volksweisen, ­dazwischen mischte Ellison atonale Keyboard-Riffs und wirre Spoken-Word-Bruchstücke. Er ist gewiss kein Dilettant, trotzdem hatte sein Auftritt etwas Effekthascherisches. Gar knapp spielte Ellison seine Stücke an, zu dessen kränkelnden Grooves sich nur schwer tanzen liess. Dass das Publikum Ellison trotzdem begeistert applaudierte, lag an einer bewundernswerten Offenheit. Und an den schönen Bildprojektionen, die Ellison umgaben.

Helvetisch-tibetanisch

Auch Aïsha Devi, die vor Flying Lotus aufspielte, verdient Erwähnung. Das dramaturgisch aus­geklügelte Set der helvetisch-­tibetanischen Sängerin und Programmiererin vereinte ­arienhafte Melodiebögen, Industrial-Gezische und submarine Klangbilder. Diese Mischung wirkte abwechselnd spirituell und martialisch, war aber durchgehend mitreissend. Wobei Devi arg maliziös mit den Erwartungen des Publikums spielte: Immer wieder schien sie ihre futuristisch angehauchten Klagegesänge in simples Technogeratter überleiten zu wollen und unterbrach diese Glücksmomente mit der Härte eines Coitus interruptus.

Tanzflächenfutter ist ihre Sache nicht, das hat Aïsha Devi mit Flying Lotus gemein. Wer für ein Rave in den Kunstmuseum-Neubau gekommen war, musste sich bis zur After-Show-Party mit den DJs Laurel Halo und Garcon gedulden.

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