Der Sehnsuchtsänger und Berufsgrieche

Er besang die Sonne über Delphi und die Rosen auf Kreta. Jetzt ist Costa Cordalis im Alter von 75 Jahren gestorben.

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Wenn es früher darum ging, die Kernkompetenz deutscher Schlagerstars kurz und knapp zu kategorisieren, dann kam als Experte meist nur einer infrage: Dieter Thomas Heck. Warum das so war, demonstrierte der Grossmeister der schnellen Losbudenverkäuferansage einmal mehr, als er in seiner «ZDF-Hitparade» im Jahr 1979 einen Titel ansagte, der von Alkoholischem, von sonnigem Urlaub und von vergeblicher Liebe handelte. «Wenn eine solche Geschichte in Griechenland spielt, kann es nur einer interpretieren», sagte Heck: «CC, Costa Cordalis. Von null auf 18.»

Und dann sass da ein gut gebräunter Beau im Publikum und himmelte stellvertretend für alle Angebeteten die neben ihm hockende Katja Ebstein an. Costa Cordalis gab den singenden Griechen vom Dienst, den Heissblüter aus einem Land, das damals die wenigsten nördlich der Alpen aus eigener Anschauung kannten. «Der Wein von Samos» hiess der Titel, mit dem Cordalis bei Heck zu Gast war, und er war nur ein Hit unter vielen, die in ihrer Masse einem kleinen Reiseführer ähnelten. In den Cordalis-Songs stieg gerne mal ein Engel vom Olymp, ging über Delphi die Sonne auf, blühten auf Kreta die Rosen, und die Frauen, die er besang, waren wie der wilde Wein aus Saloniki. Er träumte manchmal von Athen, und auch der klassische Ikarus durfte bei ihm ein bisschen zu hoch fliegen.

Aaaaanita . . .

Kurios mutet an, dass ausgerechnet sein grösster Hit nichts mit seiner Heimat Griechenland zu tun hatte. Dafür hat sich seit 1976 die Anfangszeile «Ich fand sie irgendwo, allein in Mexiko» ins Gedächtnis der Schlagerfans eingebrannt und löst noch heute das zwingende Echo «Aaaaanita» aus. «Anita» war für Costa Segen und Fluch zugleich. Segen, weil sich vom damit ausgelösten Geldsegen gut leben liess, Fluch, weil man nach solch einem Erfolg immer an der Wirkung des Klassikers gemessen wird, schliesslich ging keines der folgenden Lieder auch nur annähernd so gut ins Ohr.

Costa Cordalis war mit 16 Jahren nach Deutschland gekommen und hatte schon eine Weile in Frankfurt studiert, als er 1965 mit einem eingedeutschten Elvis-Presley-Titel auf sich aufmerksam machte. «Du hast ja Tränen in den Augen» hiess seine ganz ordentliche Version von «Crying in the Chapel», die allerdings nicht den Durchbruch brachte. Der kam erst in den 70er-Jahren.

Aufschwung dank Familientrio

Als es ruhiger wurde um die Karriere, suchte sich Cordalis neue Herausforderungen. Der griechische Skiverband nominierte ihn 1985 für die nordischen Skiweltmeisterschaften, wo er als Langläufer aber erst ins Ziel kam, als der Weltmeister seinen Triumph fast schon ausgefeiert hatte.

Einen kleinen Aufschwung erfuhr die Marke Cordalis, als sich Costa gemeinsam mit Tochter Kiki und Sohn Lucas als Showtrio feilbot. 2004 plagten ihn dann wohl Geldprobleme, weshalb er sich von RTL für «Ich bin ein Star, holt mich hier raus» rekrutieren liess und prompt als Dschungelkönig nach Hause fahren durfte. 2014 veröffentlichte der Sänger schliesslich seine Autobiografie «Der Himmel muss warten». Nun ist Costa Cordalis im Alter von 75 Jahren auf Mallorca gestorben.

In den sozialen Netzwerken ist die Anteilnahme gross, die unter anderem ehemalige Freunde Cordalis und berühmte Persönlichkeiten ausdrücken.

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