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Der Borat vom Balkan

Auf Youtube gibt es einen neuen Star der Trash-Volksmusik im BHS-Sprachraum. Das BHS steht für Bosnisch, Kroatisch und Serbisch. Der Star nennt sich Ekrem Jevric.

Der magere Mann in seinen späten 40ern trägt einen dunklen Anzug. Ihm fehlen einige Zähne, die Kreditkarte findet bei ihm auch als Zahnstocher Verwendung. Die dunklen Sonnenbrillen werden manchmal hoch auf der Stirn getragen.

Seit seinem Auftritt in einem Werbespot des italienischen Modelabels Dolce and Gabbana verzichtet Jevric nur ungern auf die Brillen. Seine ersten 1000 Dollar als Künstler habe er für die zwei Drehtage in der Werbung für die Herren-Herbstmode einkassiert. Er habe von der berühmten Modemarke sowohl die Sonnenbrille wie auch die Unterwäsche erhalten, alles echt Dolce and Gabbana.

«Kuca - poso, poso - kuca»

In der Tat ist es aber nicht der Werbespot, der den in der ostmontenegrinischen Ortschaft Gusinje geborenen Muslim bekanntmachte. Die Popularität hat er im Frühjahr durch ein von ihm verfasstes Lied erlangt. «Kuca - poso, poso - kuca» (Haus-Arbeit, Arbeit-Haus) lautet der Titel.

Die Musik sei von seinem Freund Jimmy, einem Albaner, komponiert worden. In seinem Lied fasste Jevric seinen 22-jährigen Aufenthalt in New York und seine Lebensanschauungen zusammen. Dabei bringt er die Grossstadterfahrungen manch eines Emigranten im «Big Apple» auf den Punkt.

Über vier Millionen Anhänger

Für den Bauarbeiter und Taxifahrer ist New York, wie er in seinem Lied erzählt, eine Stadt der Hunde, der Betonblöcke und eines «Frauen-Bataillons auf den Strassen».

Die Frauen-Emanzipation ist für Jevric keine Option. Er habe gesehen, was die Frauen tun. Sie würden ihre sechsjährigen Kinder alleine lassen, um arbeiten zu gehen. Sie setzten ihren Reichtum aufs Spiel, denn die Kinder seien das grösste gut, erläuterte der Vater von vier Söhnen einem bosnischen TV-Sender.

Als der YouTube-Star, der sich selbst als Jugoslawe ausgibt, kürzlich nach acht Jahren erneut Montenegro besuchte, wurde er auf dem Flughafen von Podgorica wie ein Weltstar empfangen. «Wie König», stellte er selbst fest.

Denkt nicht an Rückkehr in die Heimat

Sein nächstes Ziel sei die Aufnahme seines Hits in englischer Sprache. Sein grosser Wunsch wäre auch ein Auftritt in der Reality-Show «Die Farm» des Belgrader TV-Senders Pink. Er führe mit Veranstaltern Gespräche darüber, enthüllte er in der Mundart seines Geburtsortes. Mag New York auf Jevric noch so fremd wirken, an die Rückkehr in die Heimat denkt er nicht.

Auf Youtube haben sich binnen weniger Wochen mehr als 4,4 Millionen Menschen sein Lied angesehen. Manche wundern sich über den enormen Erfolg des Sängers, andere amüsieren sich. Der Borat vom Balkan hat's geschafft.

SDA/bru

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