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Das unglaubliche Hippiemädchen

Sie ist jung, reich, klingt wie Aretha Franklin und hat das Aussehen eines Topmodels. Joss Stone, die propere Amy Winehouse, ist zurück.

Kürzlich ist die britische Soul-Sängerin Joss Stone angeblich knapp einem Mord entgangen. Zwei mit Schwertern bewaffnete Männer sollen geplant haben, ihr Haus auszuräumen. Im Auto der Verdächtigen fand die Polizei einen Leichensack, einen Grundrissplan des Wohnhauses, Luftaufnahmen des Grundstücks sowie ein Seil.

Und das nur ein paar Wochen vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums. Hat jemand PR gesagt? Oder wurde Stone, dieser weissen Britin, die singt, als sei sie schwarz, der Reichtum fast zum Verhängnis? Im vergangenen Monat hatte die «Sunday Times» Stone mit einem geschätzten Vermögen von neun Millionen Pfund an Platz fünf der reichsten britischen Popstars unter 30 Jahren gesetzt.

Die saubere Amy Winehouse

Stones Reichtum gründet auf einer der fulminantesten Karrieren, die das Musikbusiness in den letzten Jahren gesehen hat. Joss Stone verkaufte über 7,5 Millionen Alben, wurde für vier Grammys nominiert, trat mit James Brown, den Rolling Stones, Stevie Wonder, Elton John, Donna Summer und Smokey Robinson auf, wurde von Oprah Winfrey interviewt, modelte für zwei Gap-Kampagnen und sang beim Live 8 Concert. Und das alles vor ihrem 20. Geburtstag. Vielleicht klingt die Stimme der Engländerin deshalb so, als hätte Stone bereits ein ganzes Leben auf dem Buckel. Wie die von Amy Winehouse, aber ohne der Hilfe von Alkohol und Zigaretten.

Heute ist Stone 24, diese Woche erscheint ihr neustes Album «LP1». Wie schon mit den Vorgängern füllt Stone damit das Soul-Vakuum, das in Amerika durch den Aufstieg der klonartigen schwarzen R&B-Divas entstanden ist. «Aretha Joplin» hat Soul-Legende Smokey Robinson Joss Stone treffenderweise genannt. Des Einen Freud ist freilich des Anderen Leid. In ihrer Heimat England ist man über den US-Akzent, den Stone über die Jahre angenommen hat, nicht erfreut. «Poor Cow» spottete Komödiant Russell Brand im englischen Fernsehen. Bei den Royals immerhin steht sie hoch im Kurs; Prinz William lud sie zu seiner Hochzeit ein.

Markenzeichen Naivität

Stone mag nur die Stimme, nicht aber den Lebenswandel einer Janis Joplin führen, eine gewisse amerikanische Unbekümmertheit und Naivität ist bei ihr allerdings nicht zu leugnen, ja, es ist sogar ihr Markenzeichen. Äusserlich punktet die Sängerin mit Natürlichkeit und einer Prise Woodstock - sie trägt Mähne und Wallekleider und auch mal eine Blume im Haar. Ein Schelm, wer Frau Stone nun der optischen Ablenkung verdächtigt. Doch tatsächlich liessen ihre letzten Alben zu wünschen übrig: Retorten-Soul ohne Ecken und Kanten. Auf dem aktuellen Album aber findet Stone zur alten Form zurück. Unterstützt von Eurythmics-Mann Dave Stewart liefert sie einen rauchigen Ritt durch Southern Soul, Rock und Pop ab.

Eine Mischung, die aufhorchen lässt. Genauso wie jene von Stones neustem Projekt, der Band Super Heavy, bestehend aus Mick Jagger, Dave Stewart, Reggaemeister Damian Marley und «Slumdog Millionaire»-Komponist A.R. Rahman. Es scheint, als ob Stone ihre Stimme wiedergefunden hat.

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