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Das stolze Strassenkind und die Selbstzweifel

Der Gitarrist Paco de Lucía hat den Flamenco erneuert und mit ihm die ganze Welt erobert. Jetzt ist er mit 66 Jahren in Mexiko gestorben. Ein Nachruf.

Die Gitarre war für Paco de Lucía «diese grosse Hurentochter». Er lachte, als er das sagte, aber er meinte es ernst. «Sie ist ein sehr schwieriges Instrument, wirklich.» Es sah so leicht aus, wenn er sie spielte, so leicht, dass Andrés Segovia, ein anderer grosser Gitarrist, einmal etwas abfällig über ihn sagte, man halte ihn für «ein Wunder», nur weil er «Leichtigkeit in den Fingern hat». Paco de Lucía war der Letzte, der sich für ein Wunder hielt. Er war ein harter Arbeiter. «Die Gitarre ist ein Instrument, bei dem du dir nie sicher sein kannst, wenn du sie spielst. Es hängt von so vielen Sachen ab: von der Gemütsverfassung, dem emotionalen Gleichgewicht in diesem Moment... um sehr gut zu spielen oder wie eine Scheisse.»

Spanien war ein anderes Land, als Paco de Lucía am 21. Dezember 1947 in der andalusischen Hafenstadt Algeciras, an der Bucht von Gibraltar im äussersten Süden Spaniens, zur Welt kam. Der Spanische Bürgerkrieg war noch nicht lange vorüber, das Regime des Diktators Francisco Franco war international isoliert, und das Land lag wirtschaftlich am Boden. Ein «Strassenkind» sei er gewesen, sagte der Gitarrist, als er 2007 von der Universität in Cádiz die Ehrendoktorwürde verliehen bekam. Sein Künstlername erinnert an diese Vergangenheit auf der Strasse: Geboren als Francisco Sánchez Gómez, wurde er Paco gerufen, was die Koseform von Francisco ist. Und weil es so viele Pacos in der Nachbarschaft gab, fügte man «de Lucía» hinzu: Seine Mutter hiess mit Vornamen Lucía.

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