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«Ausser der Stimme ist nichts echt»

Ein früherer Wegbegleiter wirft den Kastelruther Spatzen vor, bei Aufnahmen ihre Instrumente nicht selbst zu spielen. Die bekannte Schlagergruppe vermutet hinter den Vorwürfen Eigeninteresse.

Auf der Bühne spielen sie alles selbst: Die Kastelruther Spatzen.
Auf der Bühne spielen sie alles selbst: Die Kastelruther Spatzen.
Keystone

«Wahrheit ist ein schmaler Grat» heisst ein Album der Kastelruther Spatzen. Ein langjähriger Wegbegleiter der Volksmusik-Stars wirft ihnen nun vor, es mit der Wahrheit nicht so genau genommen zu haben. Der frühere Komponist und Arrangeur der Gruppe aus Südtirol kreidet ihnen an, bei den CD-Aufnahmen nicht selbst die Instrumente zu spielen.

Die Plattenfirma der Spatzen verwies auf branchenübliche Produktionsprozesse, die zusätzlich engagierte Studiomusiker mit einschliessen. Frontmann Norbert Rier nannte die Anschuldigungen eine «grosse persönliche Enttäuschung». Die Kastelruther Spatzen sind eine der erfolgreichsten Volksmusik-Gruppen und haben Millionen CDs verkauft.

«Der Erfolg der Band ist auf einem Riesenschwindel aufgebaut», sagte Walter Widemair der «Bild»-Zeitung. «Nur die Stimme von Sänger Norbert Rier ist echt. Sonst nichts.» Studiomusiker spielten die Alben ein. Er habe den Betrug immer für sich behalten, könne mit dieser Lüge nun jedoch nicht länger leben. «Der Erfolg der Spatzen, ihre Gold- und Platin-Auszeichnungen, die 13 Echos – alles ist erschwindelt», fügte er hinzu.

Schummel-Vorwürfe

Nach Angaben von Koch Universal Music, einem Ableger des Branchenriesen Universal, wurden bei den Aufnahmen für die Spatzen-Alben wie bei allen professionellen Produktionen auch Studiomusiker eingesetzt. «Das ist weltweit und über alle musikalischen Genres üblich und rechtfertigt auch den Beruf des Studiomusikers.» Die Beteiligten seien zudem immer in den CD-Booklets ausgewiesen gewesen, hiess es in einer Mitteilung der Plattenfirma.

Schummel-Vorwürfe gibt es in der Branche immer wieder: Vor rund zehn Jahren war etwa das Trompetenspiel von Volksmusik-Star Stefan Mross angezweifelt worden. Anfang der 90 Jahre erschütterte der Playback-Skandal um Milli Vanilli die Musikwelt. Damals flog auf, dass das Pop-Duo nur die Lippen zu Songs bewegte, die andere eingesungen hatten.

Farian stellt sich hinter Spatzen

Anspruch aller Beteiligten sei es immer gewesen, die Lieder erstklassig zu produzieren, begründete die Plattenfirma die Entscheidung für die Studiomusiker weiter. Die Kastelruther Spatzen hätten zudem bei mehr als 3000 Konzerten «einem Millionen-Publikum bewiesen, dass jeder Ton live gespielt wird und dass sie überdurchschnittliche Musiker sind, die ihren Beruf mit grösstem Engagement ausüben.»

Rückendeckung erfuhr die Gruppe von Musikproduzent Frank Farian. «Die Band spielt live auf der Bühne, der Sänger singt live auf der Bühne, und im Studio werden die schlechten Musiker ausgetauscht durch gute Musiker», sagte Farian der dapd. «Das ist eine ganz normale Praxis.» Parallelen zum Skandal um die von ihm produzierten Milli Vanilli sieht er nicht. Bei den Kastelruther Spatzen seien die Studiomusiker in den CD-Booklets ausgewiesen. «Das hatten wir damals nicht gemacht, und das war unser Fehler», sagte Farian.

«Das haut niemanden vom Hocker»

Koch Universal Music und Band holten umgehend zum Gegenschlag aus. Sie warfen Widemair vor, mit den Anschuldigungen Werbung für sein Buch machen zu wollen. Spatzen-Sänger Rier sagte: «Es gibt immer wieder Wegbegleiter, die aus Eigeninteressen den Kastelruther Spatzen schaden wollen und das ist für uns eine grosse persönliche Enttäuschung.» Widemair veröffentlicht laut «Bild» in Kürze ein Buch über die Gruppe mit dem Titel «Wenn Berge nicht mehr schweigen».

Fans hielten den Kastelruther Spatzen trotz der Vorwürfe die Treue. «Das haut niemanden vom Hocker», sagte Roland Döring, Vorsitzender des Spatzenclubs Nordpfälzer Bergland, der dapd. Dass Studiomusiker bei den Alben der Spatzen mitwirkten, sei bekannt.

dapd/lmm

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