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Andrew Weatherall ist tot

Der englische DJ und Produzent starb überraschend mit 56 Jahren. Mit ihm verliert die elektronische Musik einen ganz Grossen.

Mit Andrew Weatherall verliert die Club-Szene einen ihrer vielfältigsten Künstler.
Mit Andrew Weatherall verliert die Club-Szene einen ihrer vielfältigsten Künstler.

Es gibt DJs und DJs. Die einen legen auf, um die Massen zu betören, andere um Geld zu machen und dann gibt es jene, die derart in die Entdeckung von neuer Musik vernarrt sind, dass sie diese mit anderen teilen wollen. Andrew Weatherall gehörte zur dieser Kategorie. Sein Markenzeichen als DJ war eine enorme Bandbreite; von Dub über Psychedelica und Folk zu Techno setzte er sich in seinen Sets über Genre-Grenzen hinweg, lange bevor dies andere DJs auch taten.

Schriftsteller Irvine Welsh («Trainspotting») drückte seine Trauer über Weatheralls Tod auf Twitter so aus: «Genie ist ein überstrapazierter Begriff. Aber mir fällt nichts Besseres ein, um ihn zu beschreiben.» Als Remixer erhielt Weatherall denn Aufträge von Björk, New Order oder den Chemical Brothers.

Andrew Weatherall war in jungen Jahren Musikjournalist, bevor er zu einem der wichtigsten DJs der Acid-House-Bewegung der 80er-Jahre wurde. Der Engländer gründete das Label Boy’s Own und gehörte den Combos Two Lone Swordsmen und Sabres of Paradise an. Seine bekannteste Produktion war das bahnbrechende Album «Screamadelica», das er mit der englischen Indie-Band Primal Scream aufnahm: Weatherall versah die hymnischen Songs der Band mit Samples und Loops, was das Album zu einem der herausragendsten Tonträger der 90er machte. Bis zu seinem Tod war er als gefragter DJ in Clubs und Festivals unterwegs, unter anderem mit seiner Club-Serie «A Love from Outer Space», die auch regelmässig in der Schweiz haltmachte.

Weatherall war ein Musiknerd im besten Sinne. Statt einer Karriere als Superstar-DJ, die ehemalige Weggefährten wie Paul Oakenfold oder Danny Rampling einschlugen, widmete er sich lieber den obskuren Seiten der Dance Music. Nicht zufällig hiess seine eklektische Sendung auf dem einflussreichen Londoner Radio NTS «Music Is Not For Everyone». Andrew Weatherall, von seinen Fans wegen seiner Kompromisslosigkeit The Governor genannt, ist am Montag mit 56 einer Lungenembolie erlegen.

Ein typisches Weatherall-DJ-Set: Langsamer, hypnotischer Techno.

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