Kurt Zurfluh: «Ruedi Rymann lebte den Schacher Seppli»

Am Mittwoch ist Ruedi Rymann verstorben. baz.ch/Newsnet sprach mit TV-Moderator Kurt Zurfluh über den Sympathieträger der Volksmusik.

Philippe Zweifel@delabass

Was zeichnete Ruedi Rymann aus? Er berührte das Publikum mit seiner offenherzigen, liebenswürdigen Art. Ruedi fand so den Kontakt zu allen Menschen, ob einfach oder bekannt. Sogar zu Bundesräten pflegte er Kontakte. Dabei blieb er stets der einfache Schweizer. Trat er im Ausland auf, plagte ihn schnell das Heimweh.

Was war seine Stellung innerhalb der Volksmusikgemeinde? In erster Linie war er ein riesiger Sympathieträger für die Volksmusik. Und natürlich ein grossartiger Jodler und Jodel-Komponist. Ironischerweise ist der «Schacher Seppli» ja gar kein klassisches Jodellied, sondern ein Volkslied. Schwierigkeiten hatte Ruedi deshalb bei anderen Jodlern nie, denn sie wussten, dass er ein ausgezeichneter Jodler war.

Litt er unter dem «Schacher Seppli»-Stempel? Nein, er verglich den Schacher Seppli oft mit der Jodel-Coverversion von «Ewigi Liebi»: Beide Lieder haben der Jodelszene gut getan, weil sie den Jodel einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machten. Ausserdem schrieb er viele Lieder, die von der Jodelbedeutung her höher eingeschätzt wurden, als der Schacher Seppeli.

Was bedeutete Ruedi Rymann der «Schacher Seppli»? Als ich ihn vor drei Monaten fragte, ob er sich im Schacher Seppli wiedererkenne, sagte er: Ich lebe den Schacher Seppli.

Wie muss man das verstehen? Nun, der Schacher Seppli war ein einfacher, armer Mensch. So hat sich Ruedi selbst gesehen. Und auch als er an Krebs erkrankte, fühlte er sich an den Schacher Seppli erinnert. Dieser steht ja auch als Greis vor dem Himmeltürli.

Wie ging er mit der Krankheit um? Er wusste, dass er bald sterben würde, und hat sich mit seinem Schicksal abgefunden. Er war dabei aber stets positiv. Bloss die Chemotherapie wollte er nicht weiterführen, da sie ihn zu müde machte. Lieber genoss er das Leben bis zum Schluss; als ich Ruedi Rymann das letzte Mal sah, tranken wir einen Schnaps zusammen.

baz.ch/Newsnet

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