Ist Rock tot?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren häufig gegoogelte Fragen.

Sie leben noch, wenn auch in musealisiertem Zustand: Die Rolling Stones. Foto: Keystone

Sie leben noch, wenn auch in musealisiertem Zustand: Die Rolling Stones. Foto: Keystone

Das hätten die Gitarrenmusikhasser gern. Und klar: Der Zeitgeist scheint ihnen recht zu geben. Weil schwitzende Männer mit breitbeinigen Posen, wie es das Klischee des Rockmusikers bedingt, sind heute selten anzutreffen. Und wenn Rock ’n’ Roll doch noch die Publikumsmassen anzieht, dann wird er von alten Herren aufgeführt, die Mitglieder von AC/DC oder den Rolling Stones sind. Oder Iggy Pop heissen (obwohl der letzthin ein Beinahe-Jazz-Album veröffentlicht hat). Aber bei diesen Namen sind wir schon bei der Kategorie überlebensgross und jenen Figuren angelangt, die für immer weiterleben – im Guten wie im Schlechten.

Man kann aber sicherlich sagen: Rock ist alt geworden und befindet sich in einem musealisierten Zustand – wie etwa unlängst eine New Yorker Ausstellung zur elektrischen Gitarre aufgezeigt hat. Was nicht bedeutet, dass der Rockstar nicht mehr unter uns ist. Er (denn noch immer ist er meist männlich) spielt heute nur nicht mehr Gitarre, sondern produziert Rap. Denn die Vertreter des Hip-Hop sind es, die gegenwärtig auf Grenzüberschreitungen und Tabubrüche abonniert sind (da kann auch Peter Doherty mit seinen kürzlichen Verhaftungen nichts daran ändern). Drogen, Frauenverachtung: Alles ist noch da. Selbst der Moshpit, dieses aufwiegelnde Relikt aus Punkrock-Zeiten, ist mittlerweile integraler Teil der Hip-Hop-Shows.

Aber wie stehts denn nun mit der Gitarrenmusik? So, wie Jazz nie gestorben ist, sondern zeitweise nur komisch gerochen hat und nun so grossartig klingt wie schon lange Zeit nicht mehr, wird auch diese nie sterben. Man muss nur in die Nischen schauen. Dort finden sich junge Bands, die es noch immer probieren und auch schaffen, dass Gitarrenmusik frisch und aufregend und herausfordernd klingt. Die Bands, die dies schaffen, heissen Girl Band, sie sind oft auch weiblich und suchen nach neuen Erzählungen, so, wie dies etwa die Amerikanerin Lucy Dacus macht. Oder sie suchen und finden hierarchielose Sounds wie Zayk (wenn man die Schweiz miteinschliesst). Sie zeigen: Man kann Rockmusik auch ohne die alten Rock-Klischees spielen.

Diese Namen können Vorbilder sein für die Kinder, die derzeit die überall spriessenden Ukulele-Kurse besuchen, was in Bälde zu einem Wiederanstieg der Gitarrenverkäufe führen wird. Die Kinder werden vielleicht Bands gründen und gemeinsam lärmen, weil dies das Schönste ist, was man machen kann. Sie werden ihre Instrumente vielleicht auch mit neuen Apps kurzschliessen und Experimente wagen. Ob dies dann noch Rock ist? Das ist glücklicherweise höchst egal.

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