«Die jungen Leute tun mir leid»

Im Interview verriet, Endo Anaconda, der Frontmann von Stiller Has, warum er ins Emmental gezogen ist und warum er heute nicht mehr jung sein möchte.

Wehret dem Elektrosmog! Seit Endo Anaconda in einem Funkloch im Emmental lebt, schläft er wieder besser.

Wehret dem Elektrosmog! Seit Endo Anaconda in einem Funkloch im Emmental lebt, schläft er wieder besser.

(Bild: Urs Baumann)

Lucie Machac@liluscha
Ralph Heiniger

Endo Anaconda, woher kommt eigentlich Ihr Pseudonym?
Endo Anaconda: «Anaconda» habe ich gewählt, weil ich mit meinem richtigen Namen Flückiger keine Karriere als Mundartsänger hätte machen können. Dafür ist dieser Name zu international (lacht). «Stiller Has» ist übrigens eine Mischung aus Weihnachten und Ostern.

Wann schreiben Sie am besten?
In der Nacht. Glockenwach mit der schrecklichen Vorstellung, dass ich am nächsten Morgen um acht Uhr wieder aufstehen muss. Meistens kann ich dann gar nicht mehr schlafen, weil ich so nervös bin.

Es heisst, dass man für gute Kunst leiden muss. Gilt das auch für Sie?
Ich denke, man muss für das Leben leiden. Ich glaube nicht, dass das etwas mit Kunst zu tun hat. Leute, die sagen, dass sie immer glücklich sind, sind meistens etwas dumm. Die meisten Menschen wissen, dass das Leben auch Leiden beinhaltet.

Wie wirkt sich Ihr Gemütszustand auf Ihre Kunst aus?
Wenn es mir wirklich schlecht geht, bin ich fast wie gelähmt. Ich glaube, es ist ein Vorurteil, dass man besonders gute Texte schreiben kann, wenn es einem miserabel geht.

Sie bezeichnen sich als sehr emotionalen Menschen, der auch sehr intensiv lebt. Hilft Ihnen das Alter dabei, mit den Hochs und Tiefs umzugehen?
Ich denke, das Alter hat mich schon etwas milder gemacht. Aber auch weil ich schon viel erlebt habe und ich weiss, dass nicht alles so heiss gegessen wird, wie es gekocht wird.

Möchten Sie noch einmal jung sein?
Nein. Die jungen Leute tun mir leid. Die Kinder haben heute viel zu selten Gelegenheit, selbst zu entdecken, wo ihre Talente stecken. Materiell haben die Kinder heute zwar viel mehr, als ich in meiner Jugend je gehabt habe. Aber sie haben dafür keine Freizeit mehr.

Sie sind von der Stadt aufs Land gezogen, ins Emmental. Warum?
Dort hat es ein Funkloch. Ich denke, es ist nicht gesund, wenn man sein Gehirn ununterbrochen mit einem Handy oder einem Computer zum Kochen bringt. Da, wo ich jetzt bin – im Funkloch –, schlafe ich viel besser.

Weil es dort keinen Elektrosmog gibt?
Ich halte es für möglich, dass Krankheiten wie zum Beispiel ADHS durch den Elektrosmog oder durch die ständige Reizüberflutung verursacht werden.

In der alten Festhalle wird täglich (15–15.45 Uhr) ein Liveinterview mit Prominenten geführt.

Berner Zeitung

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