Comeback und Abschied

Othella Dallas und Marla Glen lassen zum Schluss des 20. Blues-Festivals Basel ihr Können aufblitzen. Und Louis van der Haegen übergibt die Leitung des Events an Edo Loew.

Grand Old Ladie, hinreissend vital: Othella Dallas am Blues-Festival Basel.

Grand Old Ladie, hinreissend vital: Othella Dallas am Blues-Festival Basel.

(Bild: Remo Stalder)

Trotz ihrer 93 Jahre ist Othella Dallas einem Flirt nach wie vor nicht abgeneigt. Bei ihrem Auftritt am 20. Blues-Festival Basel wackelt sie mit dem Hintern, fordert von ihren Musikern, den Sound «sexy» zu gestalten, und raunt dem Bassisten ein augenzwinkerndes «I see you after» zu. Die Stimme der gebürtigen US-Amerikanerin hat zwar an Geschmeidigkeit verloren, klingt aber weiterhin rauchig, stark und voller Versprechen.

Bei ihrem Auftritt im Volkshaus Basel fokussiert die ausgebildete Tänzerin auf R-’n’-B-Klassiker wie Louis Jordans «Let the Good Times Roll» oder das durch Peggy Lee bekannt gewordene «Fever». Das ist unterhaltsam, wenngleich nur selten mitreissend. Insbesondere, weil die Begleitband die Songs routiniert, sauber und frei von jeglichem Schweiss darbietet. Eindrücklich ist hingegen, über wie viel Stehvermögen Othella Dallas noch immer verfügt.

Mit Hut und Krawatte

Zu den langjährigen Wegbegleitern der Sängerin gehört auch Louis van der Haegen, der Macher des Blues-Festivals Basel. Nichts als passend also, dass es Dallas ist, die den zurücktretenden Festivalleiter auf die Bühne bittet, damit er den Event in die Hände seines Nachfolgers Edo Loew legen kann. Und diese Gelegenheit nutzt, um sich auch an einige Sonderwünsche aus früheren Festivaljahren zu erinnern. So habe sich etwa John Lee Hooker jr. kurzfristig Apfelküchlein mit Vanillesauce gewünscht. «Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, diese zu beschaffen. Der Musiker bescherte uns eines der besten Konzerte unseres Festivals», so Van der Haegen.

Nach der Umbaupause ist die Reihe an Marla Glen. In den 1990er-Jahren feierte die androgyne Sängerin – die sich an diesem Samstagabend wie gewohnt in Herrenanzug, Hut und Krawatte präsentiert – mit Liedern wie «The Cost of Freedom» Erfolge. Doch monetäre und persönliche Probleme brachten ihre Karriere ins Schleudern. Jetzt scheint sich Glen wieder aufzurappeln und plant sogar ein neues Album namens «Unexpected». Was nicht heisst, dass sich die Künstlerin von ihren exzentrischen Seiten verabschiedet hätte. Als Zuschauer den Saal früh verlassen, werden diese von Glen mit ironischem Applaus bedacht, und als sie zum Abschluss ihres rund 100-minütigen Sets «It’s a Man’s World» von James Brown anstimmt, spielt sie die Widerwillige und mimt falsche Tränen.

Balladeske Rauchigkeit und knorriges Gezeter

Dazwischen liegt ein Konzert, das mal Exaltiertes, mal Behäbiges bietet. Unbestritten ist: Glens Gesang, der wirkt, als ob sie sich hin und wieder einen mit Glassplittern angerührten Whiskey genehmigt, vermag immer noch zu fesseln. Und schwankt dabei zwischen balladesker Rauchigkeit und knorrigem Gezeter. Während das Rolling-Stones-Stück «Ruby Tuesday» unaufgeregt vor sich hin plätschert, das autobiografische «Travel» mit bluesiger Atmosphäre und gekonntem Harmonica-Einsatz von Glen aufwartet, bietet «Prove All Your Lovin’» stampfenden Disco-Funk. Das Resultat kommt einem Jukebox-Mix ohne roten Faden gleich.

Dennoch gelingt es Marla Glen immer wieder, Höhepunkte zu setzen. Gerade so viele, dass man fasziniert und zugleich verwirrt zurückbleibt.

Basler Zeitung

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