Langsam pressieren!

Die Schweizer seien nicht die Schnellsten, hört man oft. Ein Vorurteil, wie der Blick ins Vokabular zeigt.

Speditiv und schnell wie die Kugel: So langsam ist der Schweizer eben doch nicht. (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)
Martin Ebel@tagesanzeiger

Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Den Schweizern läuft der Ruf voraus, nicht die Schnellsten zu sein. Natürlich ganz zu Unrecht, das zeigen etwa erfolgreiche Sportler, und selbst unter Bernern findet man gelegentlich Menschen, die reaktionsschnell sind und ihre Arbeit speditiv erledigen.

Speditiv: Allein dieses Wort, das im Hochdeutschen praktisch nicht vorkommt, also hier gewissermassen eine endemische Sprachpflanze darstellt, beweist, dass die Schweizer mit der Schnelligkeit nicht auf Kriegsfuss stehen.

Allerdings übertreiben sie es auch nicht mit dem Tempo. Wenn etwa die Umsteigezeit auf einem Schweizer Bahnhof knapp bemessen ist, hält der Bahnhofsvorsteher per Lautsprecher die Passagiere an, langsam zu pressieren. Und nicht zufällig heisst ein beliebtes Gesellschaftsspiel «Eile mit Weile». Eile mit Weile – ein typischer Schweizer Kompromiss.

Eine eher seltene Schnelligkeitsvokabel habe ich mir gemerkt, weil eine frühere Chefin sie gern im Mund führte: «gschuss». Schnell, wie die Kugel ihr Ziel erreicht, sollten wir die anstehende Arbeit erledigen. Und das taten wir dann auch.

Also: Vom Vokabular her können die Schweizer in jedem Schnelligkeitswettbewerb mithalten. Auch Sie. Vergessen Sie nicht: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie.

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