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Kunstenthusiast und Ausstellungsmacher

Ein Nachruf zum Tod von Christoph Vitali, ehemaliger Direktor der Fondation Beyeler.

Christoph Vitali, 2004 in der Fondation. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Christoph Vitali, 2004 in der Fondation. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die Kunstausstellung ist im späten 20. Jahrhundert von zwei Schweizern entscheidend mitgeprägt worden. Beide entsprachen dem Idealbild des polyglotten, sich in vielen Kulturen auskennenden und deshalb grundsätzlich diplomatischen Eidgenossen, der ebenso bodenständig wie Weltbürger ist: Die Rede ist von Harald Szeemann und Christoph Vitali. Während Szeemann das «role model» für unzählige ­Kuratoren wurde, der in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern seine wegweisenden Ausstellungen entwickelte und dadurch grosse Bedeutung hat, ­verkörperte Vitali den Prototyp des modernen Kulturmanagers. Als Direktor der Fondation Beyeler zwischen 2003 und 2007 hat er in Basel kulturelle Akzente gesetzt.

Vitali, 1940 in Zürich geboren und als Jurist ein Quereinsteiger im Kulturbetrieb, hatte zwischen 1970 und 1978 das Kulturreferat der Stadt Zürich geleitet und seiner Heimatstadt vor allem eine «Theaterblüte» beschert.

Hilmar Hoffmann, legendärer Kulturdezernent Frankfurts a.M., machte ihn 1979 zum Verwaltungsdirektor der dortigen Städtischen Bühnen. In Frankfurt wurde der Kunstenthusiast Vitali 1986 Gründungsdirektor der Schirn Kunsthalle. Von 1993 bis 2003 leitete er das Haus der Kunst in München. An beiden Orten führte er eine grosse Anzahl von Kunstausstellungen durch, wobei er einem eingeschworenen Team von Kuratorinnen und Kuratoren vorstand. So gelang es ihm, die erste Kandinsky-Retrospektive mit Beständen aus sowjetischen Museen im Westen zu zeigen und Chagalls Wandbilder für das Jüdische Theater in Moskau auszustellen, nachdem er sie mithilfe eines Sponsors restaurieren hatte lassen.

Er gilt als der Erfinder der Museumsnacht

Ein grosser Coup war die ­Ausstellung von Werken aus der Barnes-Foundation 1994 in München, Bilder, die eigentlich nie ausserhalb Philadelphias gezeigt werden dürfen. Berühmt auch thematische Schauen wie «Die Nacht», 1998.

Von Hilmar Hoffmanns Motto «Kultur für Alle» liess sich ­Vitali zeit seines Lebens inspirieren. Für ihn sollte eine Ausstellung ein sinnliches Erlebnis für alle Bevölkerungsschichten sein. Was wenige wissen: Er gilt als der Erfinder der Museumsnacht. Vom Gedanken, einer breiten Bevölkerung den Zugang zur Kunst zur ermöglichen, liess sich auch Ernst Beyeler leiten, und so war es nur folgerichtig, dass er Christoph Vitali 2003 zum Direktor der Fondation Beyeler berief.

Vitali gelang es, das Museum zu konsolidieren und durch attraktive Ausstellungen die Besucherzahlen zu steigern. Die Retrospektiven des Werks beispielsweise von René Magritte oder Edvard Munch, aber auch die Ausstellung des Spätwerks von Paul Klee waren Meilensteine für das Haus.

Christoph Vitali ist im Alter von 79 Jahren am 18. Dezember 2019 in Zürich gestorben. Es war ein Glück, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen.

Der Autor ist seit 2004 Kurator an der Fondation Beyeler, Riehen/Basel.

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