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Warhols aus Persien

Erst die Atomeinigung, nun die Kultur? Eine spektakuläre Kunstsammlung aus Teheran soll in Deutschland gezeigt werden.

Schau mir in die Augen, Mick: Besucher im Tehran Museum of Contemporary Art schauen sich Werke von Andy Warhol an.
Schau mir in die Augen, Mick: Besucher im Tehran Museum of Contemporary Art schauen sich Werke von Andy Warhol an.
Keystone

Sollte es wirklich so weit kommen, wäre es eine kleine Sensation: Die Filetstücke einer phänomenalen iranischen Kunstsammlung sollen 2016 in Berlin ausgestellt werden. Die Sammlung zeitgenössischer Kunst, die unter der Schirmherrschaft der damaligen Kaiserin Farah Diba in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden war, lagerte jahrzehntelang in Depots des Museums für zeitgenössische Kunst (Tehran Moca).

Dreimonatiger Kunstbesuch

Am Mittwoch liess die Stiftung Preussischer Kulturbesitz verlauten, dass man sich mit dem Moca auf eine dreimonatige Ausstellung in der deutschen Hauptstadt geeinigt habe. Gemäss der von beiden Seiten unterzeichneten Absichtserklärung soll dabei zu gleichen Teilen westliche wie iranische Kunst gezeigt werden.

Der Deal kam während des Iranbesuchs des deutschen Aussenministers Frank-Walter Steinmeier zustande. Der freute sich nach seiner Rückkehr entsprechend über seinen Coup, der der unlängst erfolgten Atomeinigung gewissermassen das kulturelle Krönchen aufsetzt: «Gerade in Zeiten schwieriger diplomatischer Fragen brauchen wir eine Diplomatie der Kultur umso dringender.»

Monet, Picasso, Pollock vom Feinsten

Und in diesem Fall fällt Diplomatie mit durchaus hochkarätigem Kunstgenuss zusammen. Die Sammlung von Farah Diba gilt als die grösste Kollektion westlicher Kunst ausserhalb Europas und der USA. Sie vereint erstklassige Werke des Impressionismus und des Kubismus bis hin zur Pop- und zur Minimal Art. Unter anderem, schreibt das deutsche «Art Magazin», sollen sich Schlüsselwerke von Claude Monet, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso, Francis Bacon und Andy Warhol darunter befinden. Mit Jackson Pollocks «Mural on Indian Red Ground» von 1950 verfüge der Iran gar über ein Hauptwerk des US-Amerikaners.

Eine «signifikante Auswahl» dieser Werke soll nun also nach Berlin reisen. Wann genau, ist noch nicht definiert, ebenso wenig weiss man, welches Museum in den Genuss der Präsentation kommen wird. Da die Neue Gemäldegalerie derzeit umgebaut wird, spekuliert das «Art Magazin» über die Gemäldegalerie oder den Hamburger Bahnhof als Ausstellungsort.

Berlin sticht Frankfurt aus

Und wer bezahlt die Superschau? Günther Schauerte, stellvertretender Berliner Stiftungspräsident und Mitunterzeichner der Teheraner Vereinbarung, wollte sich diesbezüglich nicht in die Karten blicken lassen. Fakt ist, dass die iranischen Museumsfunktionäre schon seit geraumer Zeit nach finanzkräftigen Partnern im Westen suchen – und sich die Ausleihe ihrer Spitzenwerke etwas kosten lassen dürften. Zuletzt hatte das Tehran Moca mit dem Frankfurter Museumsdirektor Max Hollein verhandelt. Wie es aussieht, hat Berlin die Main-Stadt nun ausgebootet.

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