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Shift wirft einen Blick zurück

Pünktlich zur grossen Umstrukturierung Anfang 2011 gibt sich «Shift», das Basler «Festival der elektronischen Künste», ab Donnerstag retrospektiv.

Man muss nur den richtigen Knopf drücken, dann steht selbst Lenin wieder auf. Deimantas Narkevicius aus Litauen erreicht das in seiner Videoarbeit mit der Rückwärtstaste. Statt die Schleifung einer Lenin-Statue in Vilnius zu bejubeln, freuen sich die Zuschauer nun plötzlich wieder über deren Aufrichte. Wenn sogar das relativ rustikale Medium Video so einfach zur Manipulation von Erinnerung herhält, wie sieht es wohl erst in den komplexeren elektronischen Medien aus, zumal wir auch immer grössere Teile unseres Gehirnspeichers in digitale Gefässe outsourcen?

Um diese und ähnliche Fragen geht es in der diesjährigen Ausgabe des Shift, des alljährlich stattfindenen «Festivals der elektronischen Künste», das am Donnerstagabend eröffnet. Gerade rechtzeitig, bevor das Festival quasi mit dem Plug.in und der neu geschaffenen Digital Art Collection zum «Haus der elektronischen Künste» mit vorerst zwischengenutztem Sitz im Dreispitz fusioniert, wird zurückgeschaut. Allerdings nicht auf die eigene Geschichte, wie es die aktuelle Jubiläumsausstellung im Plug.in tut, sondern auf digitale und andere Weltgeschichte im Allgemeinen.

Neu interpretieren

«Lost & Found – wiederentdecken, neu interpretieren» heisst das Motto. Neben Narkevicius greifen in der Shift-Ausstellung rund 20 weitere Künstler auf Althergebrachtes zurück. Etwa das auch theoretisch aktive Duo Olia Lialina und Dragan Espenschied. Die Verfasser des Bandes «Digital Folklore», in dem sie die Wichtigkeit von Amateurprogrammaturen für die Entwicklung des World Wide Web vor 2000 hervorheben, vergleichen heutige glasklare Webanimationen mit ihren kruden, selbstgebastelten Vorgängern. Die Arbeit dient auch als Beweisgrundlage für ihren Vortrag am Sonntagnachmittag im Schaulager – das Film-, Video- und Vortragsprogramm findet wieder im grossen Haus nebenan statt.

Dass der Do it yourself-Gedanke nicht nur auf Programmierebene wieder wichtiger wird, zeigen die «Prepared Gameboys» des Niederländers Gijs Gieskes. Er verbaut die auch schon wieder etwas altertümlich wirkenden Mini-Spielkonsolen für die Handtasche zu kabelträchtigen Maschinen. Darin blitzt unweigerlich auch etwas vom Demokratie- und Freiheitsgedanken früher elektronischer Kunst auf. Die iPhones von heute sind zwar fast durchsichtig, was sie so alles an Information sammeln und rumsenden, das weiss der gemeine User meist nicht so genau. Da ist man froh, wenn wenigstens jemand noch die richtigen Knöpfe zu drücken weiss, damit die Geräte auch wieder wirklich nur uns gehören.

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