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Servus, Michelangelo!

Eine gross angelegte Retrospektive in der Wiener Albertina widmet sich dem zeichnerischen Werk des italienischen Renaissance-Künstlers.

In der Kunstgeschichte gibt es Irrtümer, die sich hartnäckig halten. Ein solcher ist die Annahme, Michelangelo (1475–1564) habe die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle liegend gemalt. Dabei wissen wir vom Meister selbst, dass dem nicht so war: In einem scherzhaften ­Sonett schildert er die beschwerliche Arbeit wie folgt: «Ich habe einen Kropf bekommen von diesem Malen von unten nach oben wie die Katzen in der Lombardei vom schlechten Wasser; mein Bauch ist so aufwärtsgezogen, dass er fast das Kinn berührt, mein Bart steht zum Himmel empor, mein Hinterkopf liegt auf den Schultern, und ich habe eine Brust wie eine Harpyie.» Daneben hat sich Michelangelo mit wenigen Strichen selbst skizziert: aufrecht stehend, mit leichtem Bauchansatz, eine troll­artige Fratze an die Decke pinselnd.

Das aufschlussreiche Blatt aus dem Buonarroti-Archiv in Florenz ist Teil der Ausstellung «Michelangelo. Zeichnungen eines Genies» in der Wiener Albertina. Damit findet die Reihe der monografischen Werkschauen zur Zeichnung, welche das Haus im Laufe des letzten Jahrzehnts unter anderem schon Dürer, Rubens und Picasso widmete, eine spektakuläre Fortsetzung. Kurator Achim Gnann hat über 100 Exponate – rund ein Sechstel des erhaltenen zeichnerischen Œuvres Michelangelos – aus den weltweit bedeutendsten Sammlungen zusammengetragen. Dabei ist es ihm geglückt, Werke aus allen Schaffensperioden zu versammeln.

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