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Schweizer Galerie bestreitet illegale Käufe

Im Münchner Bilderfund-Fall hat sich die Schweizer Galerie Kornfeld zu Wort gemeldet. Ihre Kunstwerke seien legal erworben worden. Die deutschen Behörden fragen sich derweil, ob es ein weiteres Versteck gibt.

Hier wurden die Werke über ein halbes Jahrhundert gehortet: Eingang zum Haus mit Cornelius Gurlitts Wohnung in München. (4. November 2013)
Hier wurden die Werke über ein halbes Jahrhundert gehortet: Eingang zum Haus mit Cornelius Gurlitts Wohnung in München. (4. November 2013)
Marc Müller, Keystone
Machte den historischen Fund bereits im Frühjahr 2011: Zollbehörde in München. (4. November 2013)
Machte den historischen Fund bereits im Frühjahr 2011: Zollbehörde in München. (4. November 2013)
Lennart Press/Getty Images
...sowie von Marc Chagall lagerten neben Müll in der Wohnung von Cornelius Gurlitt.
...sowie von Marc Chagall lagerten neben Müll in der Wohnung von Cornelius Gurlitt.
Keystone
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Die Galerie Kornfeld in Bern bestreitet, aktuell in den Münchner Fall verwickelt zu sein, bei dem 1500 seit der Nazizeit verschollene Meisterwerke gefunden wurden. Das Auktionshaus habe 1990 letztmals Werke aus Cornelius Gurlitts Besitz versteigert und zwar legal.

Die Angaben, die Gurlitt 2010 bei den Zollbehörden machte, nämlich dass das Geld, das er aus der Schweiz nach Deutschland einführen wollte, von Kornfeld stamme, seien falsch, teilte das Auktionshaus mit. Kornfeld betont, dass es zu unterscheiden gelte zwischen Raubkunst und in Museen beschlagnahmter sogenannter «entarteter Kunst», die bis heute frei verkäuflich sei.

Zu dieser Sorte hätten auch die 1990 von Kornfeld für Gurlitt versteigerten Arbeiten gehört. Gurlitts Vater Hildebrand, seit den 1920er-Jahren ein bedeutender Kunsthändler, habe diese Bilder billig von der «Reichskammer für Kunst» erworben. «Im Grunde genommen handelt es sich im Fall Cornelius Gurlitt um eine offensichtlich nicht deklarierte Erbschaft», heisst es in der Erklärung des Auktionshauses.

Weiteres Versteck?

Derweil stellt sich den bayrischen Behörden die Frage, ob bei der Beschlagnahme tatsächlich alle Kunstwerke entdeckt wurden. Im Spätsommer 2011, einige Monate nach der Durchsuchung, hatte Gurlitt, der Sohn des bekannten Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, das Gemälde «Löwenbändiger» von Max Beckmann zur Auktion abgegeben. Das bestätigte das Kölner Kunsthaus Lempertz der dpa.

Misstrauisch sei man nicht geworden. «Das wirkte, als habe Herr Gurlitt als alter Mann sein Kronjuwel geholt, um für die letzten Jahre noch flüssiges Kapital zu haben», sagte der Justiziar des Auktionshauses Karl-Sax Feddersen. Dies sei der erste Kontakt zu Gurlitt gewesen.

Vor der Versteigerung fanden die Experten heraus, dass der «Löwenbändiger» aus dem Nachlass des Kunstsammlers Alfred Flechtheim stammte. Nach einer Einigung mit den Erben des legendären jüdischen Galeristen sei das Bild daraufhin für 864'000 Euro mit Aufschlag versteigert worden.

Mehr am Dienstag

Zu den Werken will sich nun die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann äussern. Hoffmann, die an der Forschungsstelle «Entartete Kunst» der Freien Universität Berlin nach dem Verbleib der mehr als 20'000 von den Nazis verfemten Bildern und Skulpturen fahndet, versucht seit längerem, die Herkunft und den materiellen Wert der Fundstücke zu ermitteln. Über ihren Erkenntnisstand werde sie auf einer Pressekonferenz am Dienstag berichten, teilte ihre Forschungsstelle mit.

Bisher haben die Kunsthistorikerin und ihre Kollegen das Schicksal von rund 10'000 Werken nachgezeichnet, die von den Nationalsozialisten aus Museen und Privatsammlungen für die Münchner Propaganda-Schau 1937 beschlagnahmt wurden.

SDA

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