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Ringerin und Amazone heizen den Männern mächtig ein

«Starke Frauen» zeigt eine schöne Schau der Staatlichen Antikensammlungen in München - von den Amazonen bis zur Ringerin Atalante.

Der griechische Redner Apollodoros brachte sein Frauenbild auf eine knappe Formel: «Hetären halten wir uns zum Vergnügen, Konkubinen zur täglichen körperlichen Befriedigung und Ehefrauen zur Zeugung von Nachkommen und als zuverlässige Hüterinnen unseres Hauses.» Generationen von Gelehrten haben sich über den Realitätsgehalt des Satzes gestritten. Klar scheint heute, dass er nicht einfach die Wirklichkeit spiegelt. Eher wollte Apollodoros mit seinem Bonmot beim männlichen Geschworengericht punkten - was immerhin einiges über athenische Männerfantasien sagte.

Stärke konnten die Frauen im antiken Griechenland kaum zeigen, jedenfalls nicht öffentlich. Im demokratischen Athen zum Beispiel blieben sie von der Politik ausgeschlossen, und vor Gericht mussten sie sich von einem Mann vertreten lassen. Etwas zu sagen hatten sie bloss hinter den Hausmauern, wofür sie bestenfalls mit einem hübschen Grabstein belohnt wurden. Unspektakulär fängt die Münchner Ausstellung denn auch an: Auf bemalter Keramik sind Frauen beim Stricken und Musizieren zu sehen, zusammen mit Kindern oder auch mit anderen Frauen am Brunnen beim Wasserholen, einem der wenigen Kontakte ausser Haus.

Den Helden am Nacken gepackt

Starke Frauen konnten sich die athenischen Maler, Bildhauer, Töpfer - weibliche Namen sind hier keine überliefert - nur im Mythos vorstellen. Stark waren natürlich die Göttinnen, die Museumsdirektor Raimund Wünsche jedoch mit Absicht nicht ins Zentrum der Ausstellung rückt. Sein Interesse gilt jenen mythischen Frauen, die das genormte Rollenverhalten der antiken Frau durchbrechen. Die lydische Königin Omphale etwa, die mit dem verliebten Superman Herakles die Rollen und sogar die Kleider tauscht. Er spinnt und webt, sie posiert mit Löwenfell und Keule.

Prachtvoll ist auch eine schwarzfigurige Amphore von 530 v. Chr., welche die jungfräuliche Jägerin Atalante beim Ringkampf zeigt. Nur mit einem Lendenschurz ist sie bekleidet, und ihr weisser Körper hebt sich ab von den dunklen Männerleibern. Ein Gegner sitzt bereits besiegt am Boden, einen zweiten hat das Heldenmädchen am Nacken gepackt. Dem Schiedsrichter bleibt nur das Staunen: Sogar mit Peleus, dem Vater Achills, nimmt es Atalante auf.

Die Münchner Ausstellung inszeniert die starken Frauen nicht. Die gewohnten Vitrinen und ein paar Schriftbänder müssen genügen. Selbst im reichen Bayern scheinen die Kulturgelder spärlicher zu fliessen. Man wechselt für Sonderausstellungen zwar die Themen, gruppiert dazu aber vor allem die eigenen Objekte um was man sich bei einer derart hochkarätigen Sammlung problemlos leisten kann: Wohlbekanntes erscheint in neuem Licht. Ein Jammer ist nur, dass das Sparen auch die Papierqualität des vorzüglichen Katalogs erfasst hat.

Besonders gut vertreten sind in der Münchner Sammlung die Amazonen. Rund 50 Vasen, wie die antiken Keramikgefässe im Fachjargon heissen, zeigen die streitbaren Frauen. Die Amazonen kämpfen wie Männer und sind doch unverkennbar Frauen. Zwar bleiben sie auf den Vasen gewöhnlich die Unterlegenen, wichtiger aber ist ihr Furor, das rasend Unmässige, das die Griechen gern für «ungriechisch» erklärten.

Zunehmend fremd werden darum die Amazonen auf den Vasenbildern, in der Bewaffnung und vor allem durch die orientalische Bekleidung. Die kämpfenden Frauen verkörpern das ganz Andere und sind den Griechen doch bedrohlich ähnlich. Wie alle mythischen Frauen der Antike sind sie stark, wo sie ohne Mann sind.

Einmal, bei Penthesilea, der berühmtesten Amazone, verschränken sich die zwei Welten. Auf einem Münchner Prunkstück, der um 460 v. Chr. entstandenen Schale des Penthesilea-Malers, versucht die fallende Amazonenkönigin vergeblich das Schwert des Gegners Achills aufzuhalten - während sich die Blicke der Kämpfenden treffen. Ein fataler Moment. Unvereinbares will sich hier in Liebe vereinen. Die Tragödie ist unaufhaltsam.

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